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IX.  Deutscher  Arbeiterkougreß  in  Fraukfurt  a.  M.

Am  13.  Dezember  1903  empfing  der  Reichskanzler  die  Deputation,  die  vom
deutschen  Arbeiterkongreß  in  Frankfurt  a.  M.  beauftragt  worden  war,  die  Beschlüsse
  des  Kongresses  dem  Reichskanzler  zu  überbringen.  Die  Deputation  bestand
aus  den  beiden  Vorsitzenden  des  Kongresses:  Herrn  Franz  Behrens-Berlin,  Evangelische
  Arbeiter-Vereine,  Geschäftsführer  des  deutschen  Gärtner-Verbandes,  Adam
Stegerwald-Kölu,  Generalsekretär  des  Gesamtverbandes  christlicher  Gewerkschaften;
ferner  den  drei  Referenten  des  Kongresses:  Mathias  Schiffer-Krefeld,  Vorsitzendem
des  Zentralverbandes  christlicher  Textilarbeiter,  Bürgerschaftsmitglied  Wilhelm.
Schack-Hamburg,  Vorsitzendem  des  deutsch-nationalen  Handlungsgehilfen-Verbandes,
Johann  Giesberts-M.-Gladbach,  Arbeitersekretär  der  katholischen  Arbeiter-Vereine
  Westdeutschlands  und  dem  Landtagsabgeordneten  Karl  Schirmer-München-Pasing,
  Vertreter  der  süddeutschen  Eisenbahn=  und  Postbediensteten-Verbände.  Der
Sprecher  der  Deputation  Herr  Behrens  erwähnte  in  seiner  Ansprache,  daß  sich
die  nationaldenkende  und  christliche  Arbeiterschaft  zum  ersten  Male  in  Frankfurt
zu  gemeinsamen  sozialpolitischen  Beratungen  zusammengefunden  hätte.  Der  Kongreß
  habe  das  auf  dem  Gebiete  der  Arbeiterversicherung  und  des  Arbeiterschutzes
bereits  Erreichte  dankbar  anerkannt,  zugleich  aber  bestimmte  Wünsche  für  den
weiteren  Ausbau  des  Koalitionsrechts,  für  die  Rechtsfähigkeit  der  Bernfsvereine
und  für  Errichtung  paritätischer  Arbeitskammern  formuliext.  Die  Ansprache
schloß  mit  der  Versicherung,  daß  die  Auftraggeber  der  Deputation  von  herzlicher
Trene  und  Liebe  zu  Kaiser  und  Vaterland  erfüllt  seien.

Die  Antwort  des  Reichskanzlers  lautete:

Meine  Herren,  ich  freue  mich,  Sie  hier  zu  sehen  und  ich  danke
Ihnen,  daß  Sie  durch  Ihren  Besuch  mir  Gelegenheit  geben,  Sie  persönlich
  kennen  zu  lernen.

Ihr  Frankfurter  Kongreß  war  für  mich  eine  willkommene  Erscheinung.
  Ich  habe  mir  über  den  Verlauf  der  dort  gepflogenen  Beratungen
  eingehend  Bericht  erstatten  lassen.  Als  die  Wahl  des  richtigen
Weges  begrüße  ich  es,  daß  die  in  Frankfurt  versammelten  Arbeitervertreter
  sich  an  Seine  Majestät  den  Kaiser  gewandt  haben.  Nur  auf
gesetzlichem  Wege,  unter  dem  Schutz  der  Monarchie  und  auf  dem  Boden
der  Solidarität  aller  Staatsbürger  ist  ein  wirklicher  und  dauernder
Fortschritt  für  die  dentschen  Arbeiter  möglich.

Unbeirrt  durch  Gegenströmungen  von  links  und  rechts  hält  das
Oberhaupt  des  Reichs  daran  fest,  daß  es  zu  seinen  für  Deutschlands
Zukunft  wichtigsten  Aufgaben  gehört,  die  Wohlfahrt  der  deutschen  Arbeiter
  zu  fördern  und  ihr  Vorwärtsstreben  innerhalb  der  notwendigen
Unterordnung  auch  der  Arbeiterinteressen  unter  das  Gemeinwohl  mit
Kaiserlichem  Gerechtigkeitssinn  zu  unterstützen.  Es  ist  ein  bleibender