378  Anhang.

Nach  dem  kanadischen  Blatte  hat  Graf  Bülow  erklärt:

Ich  erinnere  mich  wohl,  Ihnen  schon  Ende  Inni  dieses  Jahres
gelegentlich  von  Verdächtigungen,  die  sich  an  den  Venezuelastreit  an—
knüpften,  die  Stellung  Deutschlands  zu  den  amerikanischen  Republiken
auseinandergesetzt  zu  haben.  Ich  habe  damals  erklärt:  „Politische
Aspirationen  haben  wir  in  der  neuen  Welt  überhaupt  nicht.“
Diese  Erklärung  gilt  heute  genau  so,  wie  sie  vor  einem  halben  Jahre
gegolten  hat  und  wie  sie  in  zehn  Jahren  gelten  wird.  Damit  ist  aber
schon  gesagt,  daß  die  Mitteilungen  über  sympathische  Kundgebungen
der  dentschen  Regierung  gegenüber  Kolumbien  absolut  erfunden
sind.  Denn  in  der  Bekundung  von  Sympathien  würde  eine  Einmischung
liegen,  die  wiederum  nur  dann  einen  Sinn  haben  könnte,  wenn  Deutschland
  politische  Ziele  in  Amerika  verfolgte  und  sich  dafür  einen  Stützpunkt
  in  der  neuen  Welt  verschaffen  wollte.

Wenn  umsere  Interessen  und  wohlerworbenen  Rechte  verletzt
werden,  dann  wissen  wir  —  das  hat  der  Venezuelafall  bewiesen  —
unser  Recht  auch  wahrzunehmen.  Wir  tun  es  aber  nur,  weil  wir  es
müssen,  nicht  etwa,  weil  es  uns  besonderes  Vergnügen  machte,  von
unserer  starken  Wehrkraft  zu  Wasser  und  zu  Lande  Gebrauch  zu  machen.
Es  macht  uns  mehr  Vergnügen,  mit  allen,  auch  den  kleinen  Staaten,
in  Frieden  und  Freundschaft  zu  leben.  Ist  es  also  nur  der  moralische
Zwang  und  nicht  etwa  ein  abenteuerlicher  Sinn,  der  uns  veranlaßt,  da
einzuschreiten,  wo  unsere  Ehre  und  Interessen  in  Frage  stehen,  so  ergibt
sich  daraus  zur  Evidenz,  daß  es  uns  nicht  beikommen  kann,  uns  einzumischen,
  wo  unsere  Interessen  gar  nicht  berührt  sind.

Für  die  Gefährlichkeit  der  Einmischung  gerade  in  amerikanische
  Angelegenheiten  aus  purer  Abenteuerlust  steht  mir  ein  lehrreiches
Beispiel  vor  Augen.  Der  Stern  Napoleons  III.  erbleichte,  als  er  sich
auf  das  sinnlose  Abentener  in  Mexiko  einließ.  Für  deutsche  Staatsmänner
  ist,  mag  es  sich  um  Amerika  oder  andere  Erdgebiete  handeln,
die  Politik  der  Nichteinmischung,  wenn  unsere  Interessen  nicht  berührt
werden,  oberster  Grundsatz.  Eine  solche  Politik  entbehrt  des  Zaubers
der  Romantik,  sie  erscheint  vielleicht  manchem  egoistisch,  aber  sie  trägt
sehr  wesentlich  zur  Wahrung  des  Weltfriedens  bei,  dessen  Erhaltung
mir  ein  sehr  ideales  Ziel  zu  sein  scheint.