Anhang.  379

XI.  Kantische  Philosophie.

Aufang  des  Jahres  1904  hatte  die  „Königsberger  Hartungsche  Zeitung“
an  eine  Anzahl  hervorragender  Vertreter  des  Staatsgedaukens,  der  Wissenschaft,
Dichtung  und  Kunst  im  In=  und  Auslande  die  Bitte  um  eine  individnelle  Außerung
  über  Kant  —  gewissermaßen  als  Manifestation  des  modernen  Geistes  dem
alten  großen  Denker  gegenüber  —  gerichtet.

Darauf  ging  u.  a.  am  2.  Februar  folgende  Antwort  des  Reichskanzlers
Grafen  Bülow  ein:

Wer  ein  rechter  Kantianer  sein  will,  muß,  glaube  ich,  viel  Selbstbescheidung,
  viel  Demut  im  Anerkennen  der  Vernunftgrenzen,  viel  Ehrfurcht
  vor  ewigen  Rätseln  mitbringen.  Auf  der  Suche  nach  Weltanschauung
  laufen  in  unseren  Tagen  auch  die  mehr  als  Halbgebildeten
vielfach  Phantastereien  in  die  Arme.  Heilsam  wäre  diesem  Geschlecht
die  Umkehr  zu  der  Gedankenstrenge  des  Mannes,  der  gezeigt  hat,  daß
es  für  metaphysische  Fragen  keine  andere  Lösung  gibt,  als  das  immer
schärfere  Verstehen  ihrer  Unlösbarkeit,  der  mit  seinen  berufenen  Fortsetzern
  uns  die  Chemie  der  allgemeinen  Begriffe  lehren  kann,  die  im
täglichen  Meinungsstreite  so  oft  vermißte  Klarheit  und  Festigkeit  der
Grunderkenntnisse.  In  diesem  Sinne,  nicht  minder  aber  mit  der  Erinnerung
  daran,  daß  in  den  Schriften  des  großen  Königsbergers  die
Philosophie  des  preußischen  Pflichtbewußtseins  niedergelegt  ist,  daß  der
Geist  des  kategorischen  Imperativs  die  Schlachten  unserer  Freiheitskriege
geschlagen,  an  Preußens  Größe  und  Deutschlands  Einheit  mitgearbeitet
hat  und  noch  heute  wie  fernerhin  nicht  entbehrt  werden  kann,  stimme
ich  in  den  Ruf  ein,  der  neuerdings  wieder  durch  die  Reihen  unserer
philosophisch  Gebildeten  geht:  Zurück  zu  Kant!

XlI.  Deutscher  Landwirtschaftsrat  1901.

Das  Festmahl  des  dentschen  Landwirtschaftsrats  im  Jahre  1904  fand  am
11.  Febrnar  im  großen  Saale  des  Hotels  de  Rome  statt.  Der  Einladung  zu
dem  Feste  hatten  Folge  geleistet:  der  Reichskanzler  Graf  von  Bülow,  die  Minister
von  Rheinbaben,  von  Podbielski,  Frhr.  von  Hammerstein,  der  Präsident  des
Reichstages  Graf  von  Ballestrem,  der  Staatssekretär  des  Reichsschatzamtes  Frhr.
von  Stengel,  die  Gesandten  Bayerns,  Mecklenburgs,  Braunschweigs  usw.  Die
Tafelrunde  bildeten  etwa  150  Personen.  Die  Reihe  der  Trinksprüche  eröffnete
der  erste  Vorsitzende  des  Landwirtschaftsrats  Graf  von  Schwerin-Löwitz  mit