Anhang.  381

Wenn  aber  auch  solche  Männer  für  die  Landwirtschaft  eintreten,  welche
an  dem  Ergehen  derselben  kein  eigenes  Interesse  haben,  so  ist  das  ein
besonders  kräftiger  Beweis  für  die  Bedeutung  der  Landwirtschaft  für
den  ganzen  Staatskörper.  Meine  Herren,  es  ist  in  der  letzten  Zeit
viel  darüber  geklagt  worden,  daß  die  neuen  Handelsverträge  dem
Reichstage  noch  nicht  vorgelegt  worden  sind.  Es  sollte  aber  doch  nicht
übersehen  werden,  daß  erst  mit  der  Annahme  unseres  neuen  Zolltarifs
für  uns  die  Möglichkeit  geschaffen  wurde,  wegen  Erneuerung  der  bestehenden
Handelsverträge  mit  anderen  Staaten  in  Unterhandlungen  einzutreten.
Vorher  konnten  solche  Verhandlungen  überhaupt  nicht  geführt  werden,
weil  uns  selbst  dazu  die  unentbehrliche  tarifarische  Unterlage  fehlte.
Aber  auch  die  anderen  Vertragsstaaten  waren  damals  noch  nicht  in  der
Lage,  die  Verhandlungen  mit  uns  sofort  zu  beginnen.  Verschiedene
Länder,  z.  B.  die  Schweiz,  Rußland,  Osterreich-Ungarn  und  Rumänien,
hatten  bekanntlich  ihre  Tarife  gleichfalls  einer  Revision  unterzogen,  die
damals  noch  nicht  zum  Abschluß  gelangt  war  und  es  zum  Teil  noch
jetzt  nicht  völlig  ist.  Trotzdem  sind  wir  ohne  Säumen  an  die  Aufgabe
herangetreten,  auf  der  Grundlage  unseres  neuen  Zolltarifs  den  Abschluß
neuer  Handelsverträge  mit  dem  Auslande  vorzubereiten.  Den  Reichsbehörden
  erwuchs  zunächst  die  Aufgabe,  die  neuen  Tarife  der  anderen
Staaten,  soweit  ihnen  dies  möglich  war,  eingehend  zu  prüfen,  um  sich
darüber  schlüssig  zu  machen,  welche  vertragsmäßigen  Anderungen  im
deutschen  Interesse  gefordert  werden  könnten.  Die  neuen  ausländischen
Tarife  sind  zum  Teil  noch  detaillierter  als  unser  neuer  Zolltarif.  Die
aus  der  Prüfung  aller  einzelnen  Positionen  sich  ergebende  Arbeit  war
daher  nicht  gering.  Die  von  mir  damit  betrauten  Beamten  haben  aber
ihre  ganze  Kraft  darangesetzt,  und  es  ist  ihnen  gelungen,  ihre  Aufgabe  in
verhältnismäßig  kurzer  Zeit  zu  bewältigen.  Auch  die  Prüfung  unseres
eigenen  neuen  Tarifs  und  die  Aufstellung  der  Wünsche  auf  vertragsmäßige
  Anderung  verschiedener  Positionen  desselben  war  selbstverständlich
den  mit  uns  kontrahierenden  fremden  Staaten  nicht  zu  verwehren  und
nahm  auch  dort  Zeit  in  Anspruch.  Nach  Beendigung  dieser  unerläßlichen
Vorarbeiten  sind  wir  sogleich  in  die  diplomatischen  Verhandlungen  eingetreten,
  zunächst  mit  Rußland,  dann  mit  der  Schweiz,  Italien,  Belgien,
Rumänien,  ÖOsterreich-Ungarn.  Uber  den  Stand  dieser  Verhandlungen
kann  ich  natürlich  hier  keine  Mitteilungen  machen.  Auch  wann  die
neuen  Handelsverträge  dem  Reichstage  vorgelegt  werden  können,  läßt
sich  heute  noch  nicht  angeben.  Die  Handelsverträge,  wenigstens  die
wichtigsten,  hängen  untereinander  auf  das  engste  zusammen.  Es  ist