Auhang.  387

Der  Herr  Reichskanzler  erklärte  sich  schließlich  bereit,  den  Wunsch
der  Deputation,  bei  Sr.  Majestät  dem  Kaiser  empfangen  zu  werden,
Allerhöchsten  Ortes  zu  befürworten.  #

XVII.  Empfang  der  Posener  Akademie.

Am  18.  Juni  1904  empfing  der  Reichskanzler  die  Verwaltungskommission
der  Königlichen  Akademie  in  Posen,  bestehend  aus  dem  Rektor  der  Königlichen
  Akademie  Professor  Dr.  G.  Kühnemann,  dem  Protektor  Professor  der  Hygiene,
  Medizinalrat  Dr.  med.  E.  Wernicke  und  dem  Syndikus  derselben  Regierungsrat
  Daniels,  die  gekommen  waren,  um  ihm  das  Diplom  als  Ehrenmitglied  der
Akademie  zu  überreichen.  Nachdem  die  Herren  durch  den  Chef  der  Reichskanzlei
Wirklichen  Geheimen  Oberregierungsrat  v.  Conrad  vorgestellt  waren,  hielt  der
Rektor  Professor  Dr.  Kühnemann  folgende  Ansprache:

„Euere  Exzellenz!  Der  Senat  der  Königlichen  Akademie  in  Posen
hat  uns  abgesandt,  um  Eunerer  Exzellenz  das  Diplom  der  Ehrenmitgliedschaft
  unserer  Akademie  zu  überreichen.  Mit  hoher  Freude  stehen  wir
vor  dem  ersten  Ehrenmitglied  unserer  jungen  Hochschule.  Und  zuerst
soll  der  Dank  noch  einmal  ausgesprochen  sein,  ein  Dank,  der  uns  allen
das  Herz  bewegt,  dafür,  daß  Euere  Exzellenz  sich  unserer  Bitte  nicht
versagt  und  die  Stelle  des  ersten  Ehrenmitgliedes  angenommen  haben,  —
dann  aber  auch  dafür,  daß  Sie  uns  die  hohe  Ehre  und  Freude  gönnen,
Ihnen  persönlich  gegenüberzutreten  und  in  Ihre  eigenen  Hände  das
Diplom  zu  legen.  Wir  haben  uns  in  der  Wahl  unseres  ersten  Ehrenmitgliedes
  hoch  hinauf  gewagt.  Es  wäre  nicht  undenkbar,  daß  Stimmen
der  Mißgunst,  der  Verdächtigung  sich  aussprächen  in  Vorwürfen,  wie
sie  unsere  junge  Hochschule  zu  fürchten  hat,  da  ja  die  Unabhängigkeit
nach  oben  und  nach  unten,  von  innen  und  von  außen  allein  es  ist,  auf
der  der  Erfolg  der  geistigen  Arbeit  ruht.  Aber  wir  fühlen  uns  in
unserem  Gewissen  frei.  Wir  wissen,  daß  Euere  Exzellenz  die  Sorge  für
die  deutsche  Ostmark  als  ein  Hauptstück  aufgenommen  haben  in  Ihre  große
Lebensarbeit.  In  dieser  Sorge  für  die  Ostmark  war  die  Begründung
der  Akademie  ein  bedeutsames  Ereignis.  Wir  sind  nicht  fremd  in  Ihrem
Gesichtskreis.  Wir  wollen  nicht  in  unbescheidener  Zudringlichkeit  ein
Verhältnis  erzwingen,  das  nicht  bestände,  sondern  dankbar  und  freudig
erkennen  wir  das  Verhältnis  an,  welches  ist.  Aber  auch  von  seiten  der
Akademie  soll  in  unserer  Wahl  ein  Bekenntnis  liegen.  Wir  wollen  es
gar  nicht  verhehlen,  daß  wir  uns  in  aller  unserer  Arbeit  geleitet  fühlen

1)  Nordd.  Allg.  Ztg.  vom  19.  Juni  1904,  Zweite  (Morgen-)  Ansgabe.
2)  Nordd.  Allg.  Ztg.  vom  19.  Juni  1904.

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