Anhang.  389

aussprechen,  daß  er  für  die  Deutschen  unserer  viel  umstrittenen  Ostmark
eine  ganz  besondere  Liebe  habe.  Es  sei  auch  gesagt  worden,  daß  die
Posener  Akademie  ihm  nicht  fremd  sei,  und  daß  er  bei  ihrer  Begründung
nach  Kräften  mitgewirkt  habe.  Allerdings  lege  er  bei  seinen  Maßnahmen
für  die  Hebung  des  Deutschtums  im  Osten  auf  die  geistige  Seite  ein
großes  Gewicht.  Er  habe  es  gelegentlich  ausgesprochen:  Wo  der
Deutsche  prosperieren  solle,  müsse  ihm  geistiges  Leben  blühen;  wo  ihm
Kunst  und  Wissenschaft  fehlten,  verkümmere  der  Deutsche.  Denn,  wie
einer  unserer  großen  Philosophen  gesagt  habe,  das  Heil  komme  den
Deutschen  von  den  Ideen  und  durch  die  Ideen.  Hierfür  nun  zu  sorgen,
sei  die  Akademie  in  erster  Linie  berufen.

Er  stimme  den  beiden  Hauptgedanken  zu,  die  der  Herr  Rektor
ausgesprochen  habe  von  der  notwendigen  Unabhänigkeit  der  Wissenschaft
und  von  der  nationalen  Aufgabe  der  Posener  Akademie.  Die  Freiheit
  der  Wissenschaft  sei  für  den  Deutschen  die  Luft,  deren  er  für  sein
geistiges  Leben  bedürfe.  Die  nationalen  Ziele,  welche  die  Posener
Akademie  in  dem  uns  Deutschen  im  Osten  aufgedrungenen  Kampfe  verfolge,
  müßten  jedem  an  derselben  tätigen  Lehrer  immer  vor  Augen
stehen.  Es  sei  schon  etwas  Großes,  wenn  die  Akademie  dazu  beitrage,
die  Deutschen  in  Posen  zu  einigen.  Unser  Volk  habe  bei  seinen  großen
Vorzügen  auch  Fehler,  die  im  Laufe  der  Geschichte  dem  Vaterland  oft
Schaden  gebracht  hätten.  Hierzu  gehöre  vor  allem  der  Hang  der
Deutschen  zur  Uneinigkeit.  Wir  würden  mit  unserer  Ostmarkenpolitik
schon  weiter  sein,  wenn  die  Deutschen  im  Osten  gegenüber  dem  Gegner
kleine  Parteiunterschiede,  kleinliche  Standes=  und  Klassenvorurteile  in
den  Hintergrund  treten  ließen.  Möge  die  Akademie  Einigungspunkt
und  Bindeglied  unter  den  Deutschen  in  Posen  werden.

Graf  Bülow  schloß:  Er  werde  stets  als  erstes  Ehrenmitglied  der
Posener  Akademie  an  ihrem  weiteren  Ergehen  den  größten  Anteil
nehmen,  und  wenn  er  ihr  bei  irgend  welchen  Schwierigkeiten  ihrer
Entwiklung  einmal  beistehen  könne,  so  solle  sie  immer  auf  ihn  zählen
können.

Der  Reichskanzler  zog  dann  die  drei  Herren  in  ein  längeres  Gespräch
  und  ließ  sich  eingehend  vom  Zustande  und  der  Entwicklung  der
Akademie  berichten.  Das  Gespräch  kam  dabei  auf  die  Verhältnisse  in  der
Provinz  Posen,  insbesondere  auf  die  Tätigkeit  der  Ansiedlungskommission.
Der  Reichskanzler  gab  hierbei  der  Hoffnung  Ausdruck,  daß  der  §  15b