Anhang.  393

XXI.  Taufe  des  Linienschiffs  „Deutschland“.

Am  19.  November  1904  fand  auf  der  Germaniawerft  in  Kiel  die  Taufe
und  der  Stapellauf  des  Linienschiffs  X  statt.  Der  Reichskanzler  Graf  Bülow
hielt  folgende  Tanfrede:

Euere  Majestät,  Euere  Königliche  Hoheit,  meine  Herren!

Das  Schiff,  zu  dessen  Stapellauf  wir  versammelt  sind,  soll  den
Namen  unseres  Vaterlandes  tragen.  Was  sagt  uns  dieser  Name  Wie
wollen  wir  das  Deutsche  Reich?  Wie  soll  es  sein?

Sicher  ruhend  in  der  Eintracht  der  Fürsten  und  Stämme;  Kleinen
und  Großen  das  Maß  ihres  Rechts  nach  Gesetz  und  Verfassung  verbürgend;
  hilfreich  den  Schwachen;  wachsende  Wohlfahrt  und  Ordnung
im  Innern;  aller  ehrlichen  Arbeit  freie  Bahn;  jeder  Tüchtigkeit  ein
herzliches  Willkommen.

So  allein  kann  im  Reiche  der  Boden  bereitet  werden  für  alle
Werke  des  Friedens.  Sie  zu  schirmen  im  Wettbewerb  der  Völker,  dazu
halten  wir  unsere  Waffen  scharf.  Der  Sohn  eines  schwachen  Volkes
ist,  vom  heimischen  Stamme  losgelöst,  ein  in  den  Wind  gefallenes  Blatt.
Wer  von  uns  hinauszieht,  um  deutsche  Kultur  und  deutsche  Arbeit  in
die  Welt  zu  tragen,  soll  seines  festen  Rückhalts  in  der  Heimat  sicher  sein.

Darum  schaffen  wir  uns  unsere  Flotte.  Für  niemanden  aber  ist
unsere  Seewehr  eine  Herausforderung.  Willig  stehen  wir  in  Reih  und
Glied  mit  allen  Freunden  des  Friedens,  ohne  zu  vergessen,  daß  nicht
wir  allein  den  Gang  der  Weltgeschicke  bestimmen.

Stark  im  friedlichen  Rate  der  Völker,  so  wollen  wir  unser  Land
bleiben  und  gedeihen  sehen;  dazu  helfe  uns  auch  unser  jüngstes  Schiff,
das  Euere  Majestät  jetzt  taufen  wollen.

Seine  Majestät  der  Kaiser  taufte  hierauf  das  Schiff  auf  den

Namen
„Deutschland"“.

XXII.  Graf  Bülow  über  die  dentsch-englischen  Beziehungen.

Am  15.  November  1904  gewährte  der  Reichskanzler  dem  bekannten,  in
Berlin  lebenden  englischen  Publizisten  Mr.  John  L.  Bashford  eine  Unterredung,
über  welche  dieser  im  „Nineteenth  Century“  berichtete.  Seinem  Aussatz  ent-