394  Anhang.

nehmen  wir  nach  der  übersetzung  der  „Kölnischen  Zeitung“  vom  30.  November
1904  das  Nachstehende.

Die  britische  Presse.

Es  gereicht  mir  zum  besonderen  Vergnügen,  sagte  Graf  Bülow,
als  er  mich  am  Abend  des  15.  November  in  seiner  Bibliothek  begrüßte
und  mich  einlud  an  seinem  Schreibtische  Platz  zu  nehmen,  ihrem  Wunsche
nach  einer  Unterredung  mit  mir  entsprechen  zu  können.  Eine  starke
Feindschaft  gegen  Deutschland  scheint  die  Feder  einer  Anzahl  ihrer
Landsleute  zu  beeinflussen,  was  ich  aufrichtig  bedauere,  und  ich  muß
sagen,  daß  es  mir  scheint,  als  ob  eine  gewisse  Schule  Ihrer  Schriftsteller
  den  Zeitungskrieg  als  ihre  Hauptlebensaufgabe  betrachte.  Dem
beiderseitigen  Interesse  würde  sicherlich  durch  eine  Beseitigung  der  Mißstimmung
  zwischen  Deutschland  und  England  besser  gedient,  als  dadurch,
  daß  sie  sie  fördern.  Ich  freue  mich  jedoch,  zu  sehen,  daß  ein
Rückschlag  wenigstens  gegenüber  den  verleumderischen  Ausschreitungen
dieses  Feldzugs  eingesetzt  und  eine  Anzahl  englischer  Blätter  in  der
letzten  Zeit  auf  den  ganz  verbissenen  Ton  verzichtet,  der  so  aufreizend
wirkte.  Indem  ich  den  nahe  liegenden  Vergleich  nach  der  andern  Seite
zu  nicht  aufkommen  ließ,  zumal  das  leitende  Organ  der  Alldeutschen
Presse  vor  einigen  Monaten  versucht  hatte,  die  Sache  einzurecken  (Amende
honorable),  indem  es  deutlich  zugab,  daß  der  böswillige  Feldzug  auf
deutscher  Seite  während  des  Burenkrieges  ein  großer  Irrtum  war,  beschränkte
  ich  mich  auf  die  Bemerkung,  daß  die  Verbitterung  unserer
Schriftsteller  doch  auch  herausgefordert  worden  sei.  Sogar  die  englischchinesische
  Presse,  fügte  der  Reichskanzler  hinzu,  ich  verweise  auf  den
North  China  Herald,  betrachtet  dieses  ewige  Klopfen  auf  Deutschland
mittels  Verdächtigungen  wegen  unserer  Politik  in  China  als  unwürdig
und  gefährlich,  und  darauf  berechnet,  Deutschland  in  die  Arme  Rußlands
  zu  treiben.

Die  tibetische  Frage.

Lassen  Sie  mich  die  Anschuldigung  erwähnen,  die  in  der  Times
gegen  unsern  Gesandten  in  Peking  wegen  der  tibetischen  Frage  erhoben
wurde,  fuhr  der  Kanzler  fort.  Ich  darf  wohl  annehmen,  daß  man
gegenwärtig  in  England  überzeugt  ist,  daß  wir  nicht  eingriffen,  um  die
Vollziehung  eures  Vertrages  mit  Tibet  zu  hintertreiben,  und  uns  auch
sonst  nicht  um  die  tibetischen  Angelegenheiten  kümmerten.  Ich  kann