Anhang.  395

Sie  versichern,  daß  wir  gegenüber  Tibet  wenigstens  ebenso  gleichgültig
sind,  wie  gegenüber  der  Mandschurei.  Wir  haben  stets  unsere  Bemühnngen
  um  den  Schutz  der  Neutralität  und  des  Bestandes  Chinas  auf
das  eigentliche  Himmlische  Reich  beschränkt  und  haben  die  darüber
hinausliegenden  Provinzen  und  Gebiete  außerhalb  des  Rahmens  unserer
Politik  gelassen.  Wir  können  aktenmäßig  nachweisen,  daß  der  Vertreter
des  Deutschen  Reichs  in  Peking  sich  jeglicher  Eingriffe  in  die  tibetische
Frage  enthalten  hat  und  daß  alle  Behauptungen  des  Gegenteils  reine
Erfindung  sind.  Ich  will  Ihnen  die  Depesche  des  Freiherrn  von  Mumm
zeigen,  wodurch  er  mein  Telegramm  beantwortete,  das  ihn  um  eine  Erklärung
  der  in  der  Times  vom  18.  Oktober  enthaltenen  Behauptungen
bat.  Der  Wortlaut  dieses  Telegramms,  das  ich  nun  durchlesen  durfte,
ergibt  deutlich,  daß  der  Bericht  der  Times  irrtümlich  war.  Freiherr
von  Mumm  erklärte,  er  habe  nur  einmal  beim  Waiwupu  angefragt,
ob  der  in  den  Blättern  veröffentlichte  Wortlaut  des  Vertrages  echt  sei,
und  daß  er  dabei  ausdrücklich  hinzugefügt  habe,  Deutschland  habe  kein
Interesse  an  der  Sache.  Der  Kanzler  fuhr  fort:  Ich  will  nicht  behaupten,
  Dr.  Morrison  1)  habe  geflissentlich  eine  Unwahrheit  gesagt.  Ich
kann  mir  leicht  vorstellen,  daß  er  auf  der  Suche  nach  einem  anti-englischen
  Zuge  in  der  deutschen  auswärtigen  Politik  jemand  in  die  Hände
gelaufen  ist,  der  ihn  angeführt  hat.  Es  gibt  in  Waiwupu  und  auch
anßerhalb  dieses  chinesischen  Amtes  Leute,  die  glauben,  sie  könnten  einen
Vorteil  daraus  ziehen,  wenn  sie  vorgeben,  Deutschland  habe  ein  Interesse
an  der  tibetischen  Frage.  Auf  alle  Fälle  ermächtige  ich  Sie,  öffentlich
zu  erklären,  daß  Freiherr  von  Mumm  sich  in  diese  Frage  nicht  eingemischt
  hat,  und  daß  ich  jede  andere  Lesart  hierüber  als  eine  Fälschung
bezeichne.“

Die  angeblichen  Warnungen  Deutschlands  an  Rußland.

„Eine  andere  Bemühnng,  böses  Blut  gegen  uns  zu  machen,  liegt  in
der  Fabel,  die  Nervosität  der  baltischen  Flotte  sei  auf  Warnungen  aus
Deutschland  zurückzuführen.  Wir  werden  daher  als  die  Ursache  des
Unglücks  hingestellt,  das  die  Huller  Fischer  betroffen  hat.  Daran  ist
kein  wahres  Wort.  Tatsächlich  herrschte  in  amtlichen  russischen  Kreisen
Besorgnis  wegen  der  Sicherheit  der  baltischen  Flotte,  lange  bevor  der
Zeitpunkt  ihrer  Abreise  festgesetzt  war.  Ich  kann  Ihnen  sagen,  daß
schon  im  August  d.  J.  die  russischen  Behörden  unsere  Aufmerksamkeit

1)  Korrespondent  der  „Times“  in  Peking.