Auhang.  399

schärfste  zurück,  daß  er  England  gehaßt  habe  oder  Pläne  gegen  Englands
  Weltstellung  gehegt  habe.

Die  deutsche  Flotte.

Lassen  Sie  mich  nun  einige  Worte  über  die  stets  wiederkehrenden
Behauptungen  sagen,  unsere  Flottenpolitik  gehe  darauf  hinaus,  einen  Krieg
mit  England  vorzubereiten.  Als  Antwort  auf  diese  Anschuldigung  kann
ich  mit  gutem  Gewissen  sagen,  daß  wir  nicht  im  Traume  daran  denken,
einen  solchen  Krieg  heraufzubeschwören,  denn  das  wäre  ein  ungeheuerliches
Verbrechen.  Ein  Krieg  zwischen  England  und  Deutschland  könnte  politisch  nur
gerechtfertigt  sein,  wenn  man  annähme,  daß  beide  Länder  allein  sich  auf
der  ganzen  Welt  als  Nebenbuhler  gegenüberstehen,  und  daß  die  Niederlage
des  einen  oder  andern  Nebenbuhlers  die  völlige  Vorherrschaft  des  andern
bedingt.  In  frühern  Jahrhunderten  befand  sich  England  fortwährend
je  einem  Nebenbuhler  gegenüber,  es  waren  nacheinander  Spanien,
Holland  und  Frankreich.  Damals  stand  alles  auf  dem  Spiele.  Heutzutage
  gibt  es  eine  Anzahl  Mächte,  die  dieselben  Ansprüche  erheben  wie
wir,  und  der  russisch-japanische  Krieg  zeigt,  daß  man  ihre  Zahl  schon
erhöhen  kann.  Wie  die  Dinge  liegen,  würde  ein  Krieg  zwischen  Deutschland
  und  England  der  größte  Glücksfall  sein  für  alle  Nebenbuhler  der
beiden  Mächte.  Denn  da  ein  solcher  Krieg,  darüber  dürfen  wir  uns
nicht  täuschen,  den  deutschen  Handel,  soweit  sich  übersehen  ließe,  gänzlich
vernichten  und  den  englischen  Handel  ernstlich  schädigen  würde,  würden
unsere  Nebenbuhler  die  Gelegenheit  benutzen,  sich  die  Märkte  der  Welt
zu  sichern,  ohne  einen  Schuß  abzufenern.  Würden  wir  aufeinander
losschlagen,  so  würde  also  ein  ganzer  Haufe  tertiorum  gandentinm
vorhanden  sein.  Da  Sie  ja  die  Frage  unserer  Flotte  genau  studiert
haben,  werden  Sie  gewiß  den  Beweis  gefunden  haben,  daß  diese  Flotte
nur  für  die  Verteidigung  bestimmt  ist.  Ihr  Zweck  ist,  unsere  Gewässer
gegen  einen  Angriff  zu  sichern  und  den  nötigen  Schutz  für  unsere  auswärtigen
  Interessen  zu  bieten.  Natürlich  werden  wir  stets  dafür  sorgen,
daß  sie  schlagfertig  ist,  wenn  man  ihrer  bedarf,  denn  unser  Wahlspruch
muß  lauten:  Allzeit  bereit.  Die  fremden  Länder  müssen  sich  mit  der
Tatsache  aussöhnen,  daß  der  deutsche  überseeische  Kaufmann  nicht  mehr
als  das  armselige  Geschöpf  zu  betrachten  ist,  das  sich  damit  zu  begnügen
hat,  die  Brotkrumen  unter  dem  Tisch  aufzulesen.  Er  sitzt  jetzt  neben
seinen  Genossen,  und  wir  haben  ein  volles  Anrecht  darauf,  für  die
Rechte,  die  uns  mit  den  Bürgern  der  andern  Nationen  gemeinsam  sind,
aufzutreten  und  sie  zu  verteidigen.