408  Anhang.

sind  gern  bereit,  zu  unserem  Teile  dabei  mitzuwirken,  sobald  wir  über
die  gegenwärtig  in  Fez  geschaffene  Lage  genügend  orientiert  sein
werden.

Alles  Vorstehende  können  Euere  Durchlaucht  nach  Ihrem  Ermessen
in  der  nächsten  Unterredung  mit  Herrn  Delcassé  verwerten.  Für  Euere
Durchlaucht  persönlich  bemerke  ich  noch,  daß  unter  den  aufzuklärenden
Widersprüchen  auch  die  Mandatsfrage  mitspielt.  Herr  Delcassé  hat
bestritten,  daß  ein  solcher  Auftrag  von  ihm  erteilt  oder  vom  Gesandten
ausgeführt  worden  sei.  Die  gegenteilige  Angabe,  daß  Herr  Saint  René
Taillandier  sich  ausdrücklich  und  öffentlich  als  den  Mandatar  der  enropäischen
  Mächte  bezeichnet  habe,  erscheint  jedoch  in  einer  Weise  begründet,
  welche  es  untunlich  macht,  über  diesen  Inzidenzpunkt  ohne
weitere  Nachprüfung  zur  Tagesordnung  überzugehen.  Wir  warten,
um  uns  eine  Meinung  zu  bilden,  die  Meldung  des  Grafen  Tattenbach
ab.  Herrn  Delcassé  gegenüber  wollen  Euere  Durchlaucht  eine  Außerung
über  die  Mandatsfrage  vermeiden,  weil  deren  Spitze  sich,  wie  die  Dinge
liegen,  gegen  den  Minister  persönlich  richten  könnte.

(gez.)  Bülow.

XXVII.  Erlaß  des  Neichskanzlers  an  den  Naiserlichen
Botschafter  in  Haris.

Berlin,  den  22.  Mai  1905.

Die  ersten  Meldungen  des  Grafen  Tattenbach  aus  Fez  sind  nicht
geeignet,  die  Ansicht  von  dem  stürmischen  Charakter  der  bisherigen
Marokkopolitik  des  Herrn  Deleassé  zu  ändern.

Zunächst  wird  die  Angabe,  daß  Herr  St.  René  Taillandier  sich  in
Fez  als  Mandatar  der  europäischen  Mächte  bezeichnet  habe,  von
mehreren  Seiten  und  insbesondere  auch  vom  Sultan  persönlich  mit
großer  Entschiedenheit  bestätigt.

Ferner  meldet  Graf  Tattenbach  unter  dem  17.  d.  M.  wörtlich:
„Der  französische  Gesandte  hat  unmittelbar  nach  meiner  Ankunft  in  Fez
im  Auftrage  des  Herrn  Delcassé  erklärt,  daß  die  französische  Regierung
es  als  eine  Beeinträchtigung  ihrer  Interessen  ansehen  würde,  wenn  die
französischen  Reformvorschläge  den  Signatarmächten  zur  Kenntnisnahme