420  Anhang.

der  „Hamburger  Nachrichten“  bezw.  der  Firma  Hermanns  Erben  überreicht
worden.  Hierauf  ist  vom  Reichskanzler  folgendes  Schreiben  eingetroffen:

Norderney,  den  3.  Augnst  1905.
Sehr  geehrter  Herr  Doktor!

Haben  Sie  besten  Dank  für  die  freundliche  Ubersendung  der  Geschichte
  der  „Hamburger  Nachrichten",  für  die  Sie  mit  Recht  Interesse
bei  mir  voraussetzen.  Die  Beziehungen  der  „Hamburger  Nachrichten“
zum  Fürsten  Bismarck  sichern  diesem  Blatte  einen  dauernden  Platz  in
der  Geschichte  der  deutschen  Publizistik.  Für  mich  haben  die  „Hamburger
Nachrichten“  auch  eine  persönliche  Bedeutung:  ich  bin  von  mütterlicher
Seite  Hamburger,  habe  einen  großen  Teil  meiner  Kindheit  vor  den
Toren  Hamburgs  am  Ufer  der  Elbe  verlebt,  und  so  ist  es  gekommen,
daß  die  „Hamburger  Nachrichten“  zu  den  ersten  Zeitungen  gehören,  die
ich  gelesen  habe.  Ich  verfolge  daher  gern  in  Ihrer  Schrift  die  Entwicklung
  Ihres  Blattes  zu  der  angesehenen  Stellung,  die  es  heute  einnimmt.


Ihr  ergebener

(gez.)  Bülow.

XXXV.  „Petit  Parisien“  (Intervien).

Am  3.  Oktober  1905  wurde  in  Baden-Baden  ein  Redakteur  des  „Petit  Parisien“
vom  Fürsten  Bülow  empfangen.  Uber  seine  Auslassungen  berichtete  das  Blatt
folgendes:

Zu  gewissen  Zeiten  war  Frankreichs  Politik  in  einer  Weise  geleitet
  worden,  daß  man  es  für  ihr  wesentlichstes  Ziel  halten  mußte,
Deutschland  zu  isolieren,  und  daß  ihr  leitender  Grundsatz  schien,  uns
mit  allen  Mitteln  feindselig  zu  sein.  Ich  moöchte  schlechterdings  niemanden
  angreifen,  aber  ich  erinnere  daran,  daß  ich  vor  1½  Jahren,
als  das  französisch-englische  Abkommen  betreffs  Marokko  abgeschlossen
wurde,  im  Reichstage  die  Erklärung  abgab,  das  französisch-englische
Abkommen  scheine  keineswegs  gegen  Deutschland  gerichtet  zu  sein,  jedoch
hinzufügte,  daß  mir  keinerlei  offizielle  Mitteilung  davon  gemacht  worden
  sei.

Glauben  Sie  nicht,  daß  man  mir  damals  diese  Mitteilung,  die  ich
für  notwendig  hielt,  hätte  machen  sollen?  Nichts  dergleichen  geschah,
und  wir  hatten  einen  Beweis  mehr,  daß  die  französische  Politik  uns
nicht  nur  isolieren,  sondern  sogar  verletzen  wollte.  Es  kam  der  Tag,