Anhang.  125

der  deutsch-russischen  Annäherung  keinen  antifranzösischen  Charakter
beilegen.

Ich  habe  offen  zu  Ihnen  gesprochen,  denn  die  Offenheit  ist  die
beste  Politik.  Es  kann  auf  beiden  Seiten  unangenehme  Augenublicke
gegeben  haben,  aber  ein  unnützer  Konflikt  ist  vermieden  und  der  Friede
aufrecht  geblieben.  Das  ist  die  Hauptsache.  Ich  wünsche,  daß  diese
Beendigung  der  Spannung  das  Vorspiel  zu  einem  gegenseitigen  Vertrauen
  bilden  möge.  Die  deutsche  öffentliche  Meinung  würde  sich  gern
diesem  Gefühle  hingeben,  sobald  sie  die  Sicherheit  hat,  daß  in  Paris
niemand  mehr  daran  denkt,  uns  zu  isolieren,  was  unter  Kulturvölkern
wie  unter  Unzivilisierten  immer  als  ein  übles  Vorgehen  gelten  wird.

XXXVII.  Straßburger  Männergesangverein.

Am  4.  Oktober  1905  empfing  der  Reichskanzler  in  Baden-Baden  in  Gegenwart
  der  Fürstin  Bülow  und  des  zum  Besuche  dort  weilenden  Prinzen  Max  von
Baden  eine  Abordnung  des  Straßburger  Männergesangvereins,  die  im  Hotel
Stephanie  mehrere  Lieder  vortrug.  Nach  Beendigung  der  Gesangsvorträge  über.
reichte  der  Vorsitzende  des  Gesangvereins  dem  Reichskanzler  mit  längerer  patrio
tischer  Ansprache  das  künstlerisch  ansgeführte  Diplom  der  Ehrenmitgliedschaft  des
Vereins.

Der  Reichskanzler  dankte  den  Sängern  für  den  Genuß,  den  sie  ihm
bereitet  hätten.

Er  höre  —  so  führte  Fürst  Bülow  aus  —  stets  gern  ein  deutsches  Lied:
von  Elsässern  vorgetragen,  hätten  ihn  die  Lieder  aber  doppelt  erfreut.
Er  stehe  als  Reichskanzler  in  nahen  amtlichen  Beziehungen  zu  den  Reichslanden
  und  er  pflege  diese  Beziehungen  gern:  er  sei  stolz  darauf,  Ehrenmitglied
  des  Straßburger  Männergesangvereins  zu  sein,  und  dies  nicht
nur  als  Reichskanzler,  sondern  auch  als  Deutscher,  denn  Straßburg  und
die  Reichslande  seien  jedem  guten  Deutschen  besonders  ans  Herz  gewachsen.
  Er  kenne  wohl,  bemerkte  der  Reichskanzler  in  Erwiderung
auf  eine  Stelle  in  der  Rede  des  Vorsitzenden,  die  hohe  Bedeutung  des
deutschen  Liedes  für  das  deutsche  Volk  als  ein  oft  bewährtes  Bindeglied
in  der  Geschichte  seiner  nationalen  Einheitsbewegung.  Er  wisse  auch,
daß  der  Straßburger  Männergesangverein  von  vaterländischer  Gesinnung
erfüllt  sei  und  sei  überzeugt,  daß  jedes  Mitglied  desselben  auch  fernerhin
  ein  Apostel  des  Deutschtums  in  seiner  Heimat  sein  werde.  Und
so  hoffe  er  denn,  daß  die  Beziehungen  zwischen  den  Landsleuten  jenseits