432  Anhang.

holen,  und  ich  kaun  nur  sagen,  wenn  ich  oft  nicht  genügt  habe  in  meinen  Werken,
so  kann  ich  mir  doch  das  Zengnis  geben,  daß  ich  den  guten  Willen  gehabt  habe,
meine  Aufgabe  zu  erfüllen,  eines  der  kleinen  Bänder  zu  sein  zwischen  Preußen
und  Bayern,  zwischen  dem  Reich  und  den  Bundesstaaten.  Ich  bin  kein  Redner
wie  Fürst  Bülow,  ich  bin  hente  —  und  ich  bitte  das  zu  bedenken  —  ein  geknickter
Inbelgreis,  geknickt  allerdings  von  Freude  und  von  Dank,  von  den  Gefühlen,  die
dem  menschlichen  Herzen  am  angenehmsten  sind.  Es  ist  mir  in  diesen  Tagen  so
viel  an  herzlichen  Wünschen,  so  viel  an  schönen  Geschenken,  soviel  an  Freuden
aller  Art  geworden,  daß  ich  selber  Angst  bekommen  habe,  hochmütig  zu  werden;
aber  ich  will  versuchen,  bescheiden  zu  bleiben.  Darauf  jedoch  darf  ich  stolz  sein,
daß  eine  solche  illustre  Zahl  von  Freunden  sich  eingefunden  hat  zum  henutigen
Fest,  stolz  darauf,  daß  der  erste  Beamte  des  Deutschen  Reiches  Zeit  gefunden  hat,
in  seinem  vielbeschäftigten  Leben  einem  alten  treuen  Verehrer  so  schöne  Worte  zu
widmen.  Meine  Damen  und  Herren!  Ich  blicke  auf  25  Jahre  in  Berlin  zurück,
und  es  ist  mir  das  Beste  geworden,  was  einem  Menschen  werden  kann:  ich  habe
meine  alte  Heimat  behalten  —  das  hat  mir  der  gestrige  Tag  und  die  Anwesenheit
so  vieler  Freunde  gezeigt,  die  sich  aus  Bayern  eingefunden  haben  —,  ich  habe
aber  auch  eine  neue  Heimat  hier  in  Berlin  gefunden,  ich  habe  mir  hier  so  manchen
Freund  und  manche  Gönnerin  erworben,  und  das  ist  das  Beste  im  Leben.  Dadurch
wird  man  froh  und  frendig  in  guten  Zeiten,  und  wenn  schwere  Zeiten  kommen,
dann  bringen  einen  die  guten  Freunde  darüber  hinweg.  Meinen  Freunden  gilt
daher  mein  Toast.  Ich  möchte  mit  diesem  Toast  aber  auch  einen  Wunsch  verbinden:
  den,  daß  Sie  alle  so  schöne  Inbiläen  feiern  mögen,  silberne,  goldene,
dienstliche  und  andere,  und  vor  allem,  daß  dann  auch  Ihre  Freunde  sich  in  solcher
Zahl  um  Sie  scharen,  und  Sie  den  Tag  so  vergnügt  und  froh  begehen,  wie  es
mir  heute  beschieden  ist,  und  daß  der  Tag  Sie  so  froh  finden  möge,  wie  der
heutige  mich.  Meine  Freunde,  sie  leben  hoch!“

XII.  Katholisches  Hospiz  in  Jernsalem.

Auf  einen  Neujahrswunsch,  den  der  Direktor  des  katholischen  Deutschen
Hospizes  in  Jerusalem,  Pater  Schmidt,  an  den  Reichskanzler  Fürsten  Bülow
gesandt  hatte,  antwortete  dieser:

Berlin,  den  13.  Jannar  1906.

Hochwürdiger  Paterl!

Aus  Anlaß  des  Jahreswechsels  haben  Sie  meiner  wiederum  in
altbewährter  Treue  gedacht.  Ihr  liebenswürdiges  Schreiben  vom  16.  v.  M.
hat  mir  eine  herzliche  Freude  bereitet,  und  ich  erwidere  Ihre  von  warmem
Patriotismus  getragenen  Glück=  und  Segenswünsche  aufrichtigst.  Möge
es  Ihnen  vergönnt  sein,  auch  im  neuen  Jahre  und  in  weiterer  Zukunft
in  ungetrübter  Kraft  und  Frische  Ihres  erhabenen  Amtes  zu  walten