434  Anhang.

und  ich  benutze  mit  Vergnügen  die  durch  Ihren  freundlichen  Besuch  in
Berlin  gewährte  Gelegenheit,  um  zu  wiederholen,  daß  die  deutsche
Regierung  mit  der  herzlichsten  Befriedigung  alle  Bemühungen  willkommen
  heißt  und  fördern  wird,  welche  dazu  dienen,  bessere  Stimmung
zwischen  unseren  Ländern  zu  erzielen.  Hierdurch  bestätigt  sich  nur  die
Uberzeugung,  die  ich  schon  bei  verschiedenen  Gelegenheiten  geäußert
habe,  und  zwar  nicht  nur  in  jüngster  Zeit.

Ich  möchte  Sie  an  meine  Rede  im  Reichstag  vom  5.  Dezember
1904  0  erinnern,  welche,  wie  ich  damals  erklärte,  die  Richtschnur  der
Kaiserlichen  Politik  darstellt.  Ich  sagte  in  jener  Rede:  ich  hoffe,  die
Geschicke  der  beiden  Länder  werden  immer  durch  die  kühlen  Köpfe
entschieden  werden,  welche  wissen,  daß  Deutschland  und  England  nicht
nur  für  die  unmittelbare  Gegenwart,  sondern  für  alle  künftige  Zeit,
soweit  menschliche  Augen  sehen  können,  am  besten  durch  Aufrechterhaltung
der  gegenwärtigen  friedlichen  Beziehungen  gedient  sein  wird.  Seitdem
hat  sich  meine  Uberzeugung  nicht  geändert,  und  die  Bildung  Ihrer  Vereinigung
  hat  dazu  beigetragen,  sie  zu  bestätigen.

In  der  Hoffnung,  daß  das  anglo-deutsche  Freundschaftskomitee
fortfahren  werde,  zu  gedeihen,  bin  ich  Ihr  sehr  ergebener

(gez.)  Bülow.

XIIII.  Deutscher  Landwirtschaftsrat  1906.

Das  Festmahl  des  Deutschen  Landwirtschaftsrates  fand  im  Jahre  1906  am
8.  Febrnar  in  gewohnter  Weise  im  Kaiserhof  statt.  Der  Reichskanzler  war  auch
diesmal  der  an  ihn  ergangenen  Einladung  gefolgt  und  hielt  nachstehende  Rede:

Meine  Herren!  Fünf  Jahre  sind  vergangen,  seitdem  ich  zum
erstenmal  in  ihrer  Mitte  erschien.  Seitdem  habe  ich  meines  Wissens
nie  gefehlt,  wenn  sich  der  Deutsche  Landwirtschaftsrat  hier  vereinigte.
Und  ich  bin  immer  gern  zu  Ihnen  gekommen.  Auch  außerhalb  dieser
festlichen  Gelegenheiten  haben  wir  —  mein  Herr  Nachbar  zur  Rechten
hat  dies  soeben  erwähnt  —  schon  manches  zusammen  durchgemacht,
Freud  und  Leid,  und  unsere  Kameradschaft  hat  mehr  als  einen  Sturm
überdauert.  An  einen  dieser  Stürme  hat  der  Herr  Graf  Schwerin,  dem
ich  für  seine  gütigen  Worte  aufrichtig  danke,  erinnert  an  die  Fleischteuerung,
  die  wir  durchlebt  haben.  Ich  danke  Ihnen,  meine  Herren,
für  die  Anerkennung,  die  Sie  mir  für  meine  Haltung  in  dieser  Frage

1)  Vgl.  oben  S.  121.