436  Anhang.

Meine  Herren,  ich  weiß  sehr  wohl,  daß  die  Fleischteuerung,  die  sich  in
verschiedenen  Gegenden  längere  Zeit  drückend  fühlbar  gemacht  hat  und
zum  Teil  noch  fühlbar  macht,  eine  sehr  ernste  Frage  ist,  welche  die
größte  Beachtung  verdient,  und  deren  Bedeutung  ich  nie  einen  Augen—
blick  verkannt  habe.  Ich  war  von  vornherein,  als  die  Fleischtenerung
eine  Kalamität  zu  werden  drohte,  entschlossen,  helfend  einzugreifen,  soweit
  dies  nur  in  meiner  Macht  steht.  Solchen  wirtschaftlichen  Konjunkturen
  gegenüber  ist  meine  Macht  aber  begrenzt,  und  solche  Ubelstände
können  nicht  von  heute  auf  morgen  durch  schleunige  Maßnahmen  behoben
werden.  In  Petitionen,  Resolutionen,  Reden  und  Broschüren  wurde
immer  ein  Heilmittel  angepriesen:  „Offnet  die  Grenzen!“  Ja,  meine
Herren,  wenn  dieses  Mittel  wirklich  ein  unfehlbares  Mittel,  ein  Heilmittel
  ersten  Ranges  wäre  und  keine  Gefahren  in  sich  schlösse,  warum
sollte  denn  die  Regierung  so  eigensinnig  oder  so  einfältig  sein,  es  nicht
anzuwenden?  Ich  konnte  aber  nicht  meine  Zustimmung  zu  einer  Maßregel
  geben,  die  den  deutschen  Viehstand  gefährdet,  der  ein  so  gewaltiger
Faktor  des  Nationalvermögens  ist.

(Sehr  richtig!)
Wo  und  soweit  die  Vieheinfuhr  ohne  Gefahr  der  Seucheneinschleppung
geschehen  kann,  ist  sie  zugelassen  und  kann  sie  zugelassen  werden,  um
dem  Fleischmangel  abzuhelfen.  Versagen  wir  aber  unserem  Viehbestande
  den  nötigen  veterinärpolizeilichen  Schutz,  so  setzen  wir  nicht
nur  unsere  Landwirtschaft,  sondern  auch  alle  Konsumenten  schweren

Gefahren  aus.
(Sehr  richtig!)

Fassen  die  Viehseuchen  einmal  erst  wieder  Fuß  bei  uns  zu  Lande,  so  ist
Fleischteuerung,  wirkliche  Fleischnot  die  unausbleibliche  Folge.  Das  hieße
wirklich  den  Teufel  durch  Beelzebub  austreiben.

(Sehr  richtig!)

Deshalb,  meine  Herren,  müssen  wir  danach  streben,  uns  vom  Auslande
  unabhängig  zu  machen  und  unseren  eigenen  Viehbestand  so  viel  als
möglich  zu  heben.  Damit  wird  dem  Lande  mehr  genützt  als  durch
ungerechte  Klagen  über  angebliche  Bevorzugung  der  Agrarier.  Es  ist
der  kleine  Mann,  den  wir  schützen,  der  kleine  Besitzer,  nicht  der  Großgrundbesitzer,
  sondern  der  Bauer.

(Lebhafte  Zustimmung.)

Und,  meine  Herren,  der  Bauer  ist  auch  ein  Mensch,  der  leben  will!