Anhang.  137

Ich  betrachte  es  als  die  vornehmste  Aufgabe  der  Regierung,  den  deutschen
  Bauernstand  zu  kräftigen,  zu  schützen  und  zu  heben
(lebhafte  Zustimmung),
und  das  nicht  nur  aus  wirtschaftlichen,  sondern  auch  aus  sozialpolitischen
Gründen.
(Bravo!)
Warum,  meine  Herren,  kämpft  denn  die  Sozialdemokratie  mit  solcher
Vorliebe  gerade  gegen  den  Bauernstand  und  seine  Interessen?  Warum
erklärte  ihr  Breslauer  Parteitag,  die  Sozialdemokratie  habe  gar  keinen
Grund,  für  die  Erhaltung  des  Bauernstandes  einzutreten,  denn  das
könne  nur  geschehen,  indem  man  ihn  in  seinem  Besitze  befestige,  also
in  diametralem  Gegensatz  zu  dem  sonstigen  Verfahren  der  Sozialdemokratie.
  Die  Sozialdemokratie  wolle,  so  erklärten  damals  in  Breslau
ihre  Führer,  wohl  den  Kleinbesitzer  gewinnen,  jedoch  nur,  indem  sie  ihn
davon  überzeuge,  daß  er  als  Besitzer  keine  Zukunft  habe,  sondern  daß
seine  Zukunft  die  Zukunft  des  Proletariats  sei.  Also  zunächst  will  die
Sozialdemokratie  den  Besitz  des  Bauernstandes  zertrümmern;  dann  kann
der  Bauer  die  Ehre  haben,  sich  der  Sozialdemokratie  anzuschließen  und
im  Roten  Meer  zu  ersaufen.
(Heiterkeit.)
Das  ist  klar  und  deutlich,  und  vom  sozialistischen  Standpunkt  aus  auch
ganz  verständlich.  Um  so  mehr  aber  haben  Regierungen  und  Reichskanzler
  die  Pflicht,  den  Banernstand,  den  mein  Herr  Nachbar  zur
Rechten  mit  Recht  als  eines  der  festesten  Fundamente  des  monarchischen
Staatswesens  genannt  hat,  zu  schützen,  seine  Existenzbedingungen  zu
sichern  und  ihn  nicht  untergehen  zu  lassen.
(Lebhaftes  Bravol)
Dieser  Pflicht  werde  ich  genügen,  solange  ich  an  leitender  Stelle  stehe.
(Stürmisches  Bravol)
Und  ich  wünschte,  daß  mich  in  dieser  Richtung  alle  diejenigen  unterstützen
  möchten,  die  auf  dem  Boden  der  bestehenden  Gesellschaftsordnung
stehen,  die  eine  friedliche  und  freiheitliche  Entwicklung  unserer  inneren
Verhältnisse  wollen,  unbeschadet  der  Zugehörigkeit  zu  dieser  oder  jener
bürgerlichen  Partei.  Denn  solange  der  Landwirt,  solange  der  deutsche
Bauer  auf  seiner  Scholle  sitzt,  solange  er  ein  erträgliches  Dasein  hat,
wird  die  Sozialdemokratie  nicht  herrschen  zwischen  Ostsee  und  Alpen.
(Beifall.)
Ich  erhebe  mein  Glas  auf  das  Wohl  der  deutschen  Landwirtschaft
und  ihrer  Vertretung,  des  Deutschen  Landwirtschaftsrats.  Sie  leben  hoch!