438  Anhang.

XLIV.  Graf  von  Hohenthal  und  Bergen.

Am  26.  März  1906  fand  im  Kaiserhof  in  Berlin  das  Abschiedsmahl  für
den  sächsischen  Gesandten  Grafen  von  Hohenthal  und  Bergen  und  seine  Gemahlin
statt,  nachdem  der  Graf  durch  das  Vertrauen  seines  Landesherrn  zum  Minister  des
Innern  in  seiner  Heimat  ernanut  worden  war.  Der  zahlreichen  Gesellschaft  gehörten
  auch  der  Reichskanzler  und  die  Frau  Fürstin  von  Bülow  an.

Der  Reichskanzler  Fürst  von  Bülow  widmete  dem  Gefeierten
Worte  freundschaftlicher  Verehrung.  Der  heutige  Abend  wolle  noch
einmal  alle  die  versammeln,  die  sich  der  Freundschaft  des  Gräflich
Hohenthalschen  Hanses  erfrenen  durften.  Zwei  Jahrzehnte  sind  vergangen,
  seitdem  Graf  Hohenthal  als  Vertreter  seines  Königs  in  Berlin
sei.  Damals  habe  der  große  Kaiser  Wilhelm  die  Berufung  des  nun
Scheidenden  zum  hiesigen  Gesandten  (wie  er  aus  den  Akten  festgestellt
habe)  als  „sehr  genehm“  dankbar  anerkannt.  Seit  jenen  Tagen  des
unvergeßlichen  Königs  Albert  sei  das  Beglaubigungsschreiben  des  Grafen
Hohenthal  bei  zwei  preußischen  Königen  unter  Allerhöchstihrer  Anerkennung
  entgegengenommen,  ein  Zeichen  auch  für  das  Vertrauen  des
Fürsten  Bismarck  zu  der  erfolgreichen  Wirksamkeit  des  Grafen  Hohenthal,
der  die  freundnachbarlichen  Beziehungen  zwischen  Preußen  und  Sachsen
stets  wirksam  gefördert  habe.  Fürst  Bülow  erwähnte  dann  die  Familientradition
  des  Hanses  Hohenthal  zwischen  Berlin  und  Dresden  und  gedachte
  mit  dankbaren,  herzlich  empfundenen  Worten  der  im  Gräflich
Hohenthalschen  Hanse  waltenden  Geselligkeit.  Dem  scheidenden  Gesandten
gab  der  Fürst  die  besten  Wünsche  mit  für  seinen  neuen  schwierigen
Posten  unter  der  Devise,  die  er  auf  einer  Medaille  für  Wilhelm  von
Oranien  gelesen  habe:  „Ruhig  über  dem  tosenden  Meere.“  Fürst  Bülow
gedachte  weiter  dankbar  des  Wirkens  der  Gemahlin  des  Grafen  und
schloß  unter  allseitiger  freudiger  Zustimmung  mit  einem  Hoch  auf  Graf
und  Gräfin  von  Hohenthal.

Bald  darauf  erhob  sich  der  Staatsminister  Graf  von  Hohenthal  und
Bergen,  um  in  bewegten  Worten  der  Freundes-Tafelrunde  für  die  festliche
Veranstaltung  zu  danken.  Berlin  sei  ihm  mehr  als  eine  zweite  Heimat  geworden:
  er  sei  hier  geboren  und  seine  Kinder  auch,  und  über  Gebühr  und  Würdigkeit
  habe  er  Freundschaft,  Liebe  und  Auerkennung  gefunden.  Es  sei  ihm
schwer  geworden,  von  seinem  hiesigen  Posten  zu  scheiden,  aber  dem  dringenden
Rufe  seines  Königlichen  Herrn  habe  er  Folge  geben  müssen.  Es  bedurfte  dazu
einer  förmlich  elementaren  Kraftanstrengung.  Fürst  Bülow  habe  es  ausgesprochen,
daß  der  Wechsel  in  seiner  Stellung  kein  leichter  sei;  er  werde  alles  tun,  um  seinen

Aufgaben  nach  besten  Kräften  gerecht  zu  werden.  Mit  tief  empfundenen  Dankesworten
  schloß  Graf  Hohenthal.