Anhang.  439

XLV.  Deutscher  Handelstag.

Im  Anschluß  an  seine  Vollversammlung  veranstaltete  der  Deutsche
Handelstag  ein  Festmahl,  an  dem  eine  Anzahl  Ehrengäste  teilnahmen.  Unter
den  Geladenen  befand  sich  auch  der  Reichskanzler  Fürst  von  Bülow.  Den  ersten
Trinkspruch  brachte  Präsident  Kaempf  aus  auf  Kaifer  und  Reich;  gleich  darauf
erhob  sich  der  Reichskanzler  zu  folgender  Rede:

Ich  danke  Ihnen,  meine  Herren,  daß  Sie  so  freumdlich  waren,
mich  zur  Teilnahme  an  dem  heutigen  Festmahl  des  Deutschen  Handelstages
  aufzufordern.  In  der  Absicht,  Ihrer  Einladung  Folge  zu  leisten,
wurde  ich  noch  bestärkt,  als  ich  unter  den  Bemerkungen  zu  Ihrer  Tagesordnung
  den  Entwurf  der  Erklärung  las,  der  deutsche  Handelstag  erkenne
  die  Notwendigkeit  an,  durch  Einführung  neuer  Steuern  endlich
Ordnung  in  unserem  Reichshaushalt  zu  schaffen,  und  spreche  sich  für
die  Aufbringung  von  Mitteln  aus,  um  die  im  Interesse  aller  Volkskreise
  erforderliche  Stärkung  der  Wehrkraft  des  Reiches  zur  See  zu
ermöglichen.  Aus  dieser  Erklärung  wie  aus  dem  Gang  Ihrer  heutigen
Debatte  habe  ich  wiederum  mit  Genugtuung  entnommen,  daß  wir  trotz
dieser  oder  jener  Divergenz  in  anderen  Punkten  in  den  für  die  Zukunft
der  Nation  dringendsten  Fragen  grundsätzlich  auf  demselben  Boden
stehen.

Ich  begrüße  es,  daß  Sie,  die  Vertreter  unseres  Handels  und
unserer  Industrie,  sich  ohne  parteidoktrinäre  Bedenklichkeit  zu  dem  bekennen,
  was  vor  allem  not  tut,  wenn,  wie  dies  Ihr  Herr  Generalsekretär
  heute  früh  mit  Recht  anerkannt  hat,  die  bisherige,  im  großen
und  ganzen  so  günstige  materielle  Entwicklung  Deutschlands  nicht  in
ihren  Grundbedingungen  unterbunden  werden  soll.  Auf  Einzelheiten
der  Steuervorschläge,  über  die  ja  das  letzte  Wort  noch  nicht  gesprochen
ist,  will  ich  hier  nicht  eingehen.  Ich  darf  aber  die  Hoffnung  ausdrücken,
  daß  bei  der  parlamentarischen  Behandlung  dieser  Fundamentalfrage
  die  großen  nationalpolitischen  Gesichtspunkte,  die  eine  Mehrbesteuerung
  unumgänglich  machen,  nirgends  außer  acht  gelassen  werden,
wo  man  die  Fortdauer  einer  friedlichen  Entwicklung  nach  außen  wie
im  Innern  wünscht.

(Bravol)

Meine  Herren,  Sie  haben  oft  gelesen  und  vielleicht  auch  selber
gesagt  oder  gedacht,  der  p.  Bülow  habe  nur  Sinn  und  Verständnis
für  agrarische  Gesichtspunkte  und  Forderungen.

(Heiterkeit.)