440  Anhang.

Wenn  ich  so  einseitig  wäre  wie  dieser  Vorwurf,  dann  stände  ich  jetzt
wohl  nicht  in  Ihrer  Mitte.
(Bravo!)

Ein  deutscher  Reichskanzler  ohne  Verständnis  für  die  Bedeutung  von
Handel  und  Industrie,  meine  Herren,  das  ist  ein  Unding.

(Lebhaftes  Bravo.)

Und  wenn  er  die  Erkenntnis  von  der  Unentbehrlichkeit  dieser  großen
Wirtschaftszweige  für  unser  nationales  Gedeihen  auf  seinen  Posten  nicht
mitbrächte,  sie  würde  ihm  in  der  Ausübung  des  Amtes  anerzogen
werden.  Bei  mir  hat  es  dessen  nicht  bedurft.  Ich  bin  schon,  als  ich  die
über  Erwarten  vielgestaltige  Entwicklung  des  deutschen  Lebens  seit  der
Reichsgründung  noch  vom  Auslande  her  beobachtete,  in  kleinen  und
großen  Fragen  darauf  hingewiesen  worden,  welches  Aktivum  eine
leistungsfähige  Industrie  und  ein  blühender  Handel  für  die  internationale
  Geltung  ihrer  Länder  in  die  Wagschale  werfen.
(Bravol)

Und  welcher  Deutsche  sollte  nicht  Freude  darüber  empfinden,  Freude
darüber,  daß  Hans  der  Träumer,  wie  man  ihn  früher  nannte,  weltwirtschaftlich
  wach  geworden  ist  und  seinen  Mann  steht  im  Wettbewerb
mit  anderen  älteren  Handelsvölkern?  Wer  fühlte  nicht  —  ich  möchte
sagen  —  den  nationalen  Herzschlag  stärker,  wenn  er  in  Rheinland-Westfalen
  sich  den  Hochburgen  unserer  Eisenindustrie  nähert;  wenn  ihm
in  den  Berliner  Elektrischen  Werken  die  Fortschritte  unserer  Technik  vor
Augen  treten:  wenn  er  im  Hamburger  Hafen,  in  dessen  Nähe  ich  aufgewachsen
  bin,  die  Riesendampfer  sieht,  die  den  deutschen  Handel  über
alle  Meere  tragen.
(Lebhafte  Zustimmung.)

Meine  Herren,  ich  will  das  glänzende  Bild,  so  berechtigt  der
patriotische  Stolz  auf  unseren  wirtschaftlichen  Aufschwung  ist,  nicht
weiter  ausmalen.  Möglicherweise  werden  wir  ohnehin  morgen  lesen,
ich  sei  nun  doch  dem  Merkantilismus  und  Industrialismus  ins  Garn
gegangen

(Heiterkeit)

—  meinetwegen!  Es  ist  nun  einmal  so  im  guten  deutschen  Lande,  daß
mehr  oder  weniger  alle  Erwerbsstände  liebevoll  die  Regierung  umdrängen,
  wie  in  Werthers  Leiden  die  Kinder  die  Brot  schneidende  Lotte

(große  Heiterkeit)