1.  Auseinandersetzung  mit  dem  Zentrum.  —  Der  Flottenverein.  —
Die  neue  Mehrheit.
Sitzung  des  Reichstags  vom  25.  Februar  1907.

Wie  die  Thronrede,  mit  der  am  19.  Februar  1907  die  12.  Legislaturperiode  des
Reichstags  cröffnet  wurde,  es  aussprach,  hatte  das  deutsche  Volk  in  den  Neuwahlen,
zu  denen  es  infolge  des  Zwiespalts  zwischen  den  verbündeten  Regierungen  und  der  Mehrheit
  des  vorhergehenden  Reichstags  aufgerufen  worden  war,

„bekundet,  daß  es  Ehr  und  Gut  der  Nation  ohne  kleinlichen  Parteigeist
  treu  und  fest  gehütet  wissen  wolle.  In  solcher  Bürger,  Bauern  und
Arbeiter  einigenden  Kraft  des  Nationalgefühls  ruhen  des  Vaterlandes
Geschicke  wohl  geborgen.  Wie  Ich  alle  verfassungsmäßigen  Rechte  und  Befugnisse
  gewissenhaft  zu  achten  gewillt  bin,  so  hege  Ich  zu  dem  neuen
Reichstage  das  Vertrauen,  daß  er  es  als  seine  höchste  Pflicht  erkennt,  unsere
Stellung  unter  den  Kulturvölkern  verständnisvoll  und  tatbereit  zu  bewahren
und  zu  befestigen.  .  .  .  .

Der  gesunde  Sinn  in  Stadt  und  Land  hat  im  Wahlkampf  einer  Be—
wegung  Halt  geboten,  die  sich,  alles  bestehende  Gute  und  Lebenskräftige
verneinend,  gegen  Staat  und  Gesellschaft  in  ihrer  stetigen  friedlichen  Ent—
wicklung  richtet.  Die  großen  grundlegenden  Gesetze  zum  Schutze  der  wirt—
schaftlich  Schwachen  sind  gegen  den  Widerstand  der  Fraktion  geschaffen
worden,  die  sich  als  die  wahre  Vertreterin  der  Arbeiterinteressen  bezeichnet,
selbst  aber  nichts  für  sie  und  für  den  Kulturfortschritt  geleistet  hat.  Gleichwohl
zählen  ihre  Wähler  immer  noch  nach  Millionen.  Der  deutsche  Arbeiter  darf
darunter  nicht  leiden.  Jene  Gesetzgebung  beruht  auf  dem  Grundsatz  der
sozialen  Verpflichtung  gegenüber  den  arbeitenden  Klassen  und  ist  daher  unab—
hängig  von  der  wechselnden  Parteigestaltung.  Die  verbündeten  Regierungen
sind  entschlossen,  das  soziale  Werk  in  dem  erhabenen  Geiste  Kaiser  Wilhelms
des  Großen  fortzusetzen.

Und  nun,  meine  Herren,  möge  das  nationale  Empfinden  und  der  Wille
zur  Tat,  aus  dem  dieser  Reichstag  hervorgegangen  ist,  auch  über  seinen  Arbeiten
  walten  —  Deutschland  zum  Heill!“

Die  Wahlen  hatten  eine  Reichstagsmehrheit  ergeben,  die  es  der  Reichsregierung  und
dem  Reichskanzler  möglich  machte,  mit  einer  Mehrheit  aus  Konservativen  und  Liberalen,  ohne
die  Stimmen  des  Zentrums,  zu  regieren.  Unter  der  Signatur  dieses  —  nach  französischem

Hötzsch,  Fürst  Bülows  Reden  2c.  III.  1