4  1.  Auseinandersetzung  mit  dem  Zentrum.

gebende  Stellung  nicht  mit  demjenigen  Maße  der  Besonnenheit  und  Selbstbeherrschung
  benutzt,  die  für  eine  Partei  die  Vorbedingung  dauernden  Einflusses
  ist.

(Sehr  richtig!  bei  den  Nationalliberalen.)

Meine  Herren,  wie  ist  es  zu  dieser  Krisis  gekommen?  Auch  darüber  hat
sich  der  Herr  Abgeordnete  Spahn  verbreitet.  Ich  will  Ihnen  meine  Auffassung
  der  Dinge  vortragen,  die  von  derjenigen  des  Herrn  Führers  der
Zentrumspartei  allerdings  in  wesentlichen  Momenten  abweicht.  Als  ich  —
es  war  ja  wohl  noch  im  November  —  diesem  hohen  Hause  den  neuen  Herrn
Kolonialdirektor  vorstellte,  habe  ich  die  in  der  Kolonialverwaltung  begangenen
Fehler  und  Jrrtümer  offen  eingeräumt.  Ich  habe  nichts  vertuscht:).  Ich
habe  gesagt,  daß  die  zur  Sprache  gebrachten  und  wirklich  vorgefallenen  Mißstände
  streng  untersucht  und  unnachsichtlich  geahndet  werden  sollten.  Ich
habe  der  bestimmten  Absicht  Ausdruck  gegeben,  Wandel  und  Besserung  zu
schaffen.  Ich  habe  aber  auch  keinen  Zweifel  darüber  gelassen,  daß  ich  auf  die
Mitwirkung  dieses  hohen  Hauses  rechnete,  damit  auf  eine  vorübergehend
vielleicht  notwendige,  aber  sehr  unerquickliche  und  auf  die  Dauer  dem  Kredit
des  Landes  schädliche  Periode  eines  ununterbrochenen  Waschens  schmutziger
Wäsche  endlich  eine  Zeit  ruhiger  und  positiver  Arbeit  in  unserer  Kolonialverwaltung
  folgen  könnc.

(Sehr  gut!)
Ich  hatte  damals  den  Eindruck,  daß  dieser  mein  Appell  einer  verständnisvollen
Aufnahme  begegnete.  Da  kam  der  Zusammenstoß  zwischen  dem  Kolonialdirektor
  und  dem  Herrn  Abgeordneten  Roeren:).  Daß  es  zu  diesem  Zusammenstoß
  kam,  mußte  mich  deshalb  in  hohem  Grade  überraschen,  weil  auf
meine  Veranlassung  und  in  meinem  Beisein  der  Herr  Kolonialdirektor  zwei
hervorragenden  Führern  der  Zentrumspartei  den  ganzen  status  causaec,
die  begründeten  Beschwerden  und  die  berechtigten  Erwartungen  der  Kolonialverwaltung
  vorgetragen  hatte.
(Hört!  hört!  links.)
Ich  war  überzeugt,  daß  nach  dieser  loyalen  Aussprache  die  Zeutrumspartei
die  Fortführung  einer  sachlichen  und  vernünftigen  Kolonialpolitik  nicht  weiter
stören  würde.  Diese  meine  Erwartung  hat  sich  nicht  erfüllt.  Der  Herr  Abgeordnete
  Roeren  ging  gegen  den  Herrn  Kolonialdirektor  in  einer  in  der
Sache  nicht  begründeten,  in  der  Form  maßlosen  Weise  vor.
(Lebhafte  Zustimmung  links  und  rechts.)

1)  S.  die  Rede  vom  28.  Nov.  1906.  II,  S.  344  ff.
2)  Am  3.  Dezember  19060.