Februar  1907.  9

freilich  ein  Standpunkt,  den  ich  nicht  adoptierc,  das  ist  eine  Haltung,  die  ich
nicht  mitmachen  kann.

(Bravo!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Der  Kampf  kehrt  sich  auch  nicht  gegen  das  Zentrum  als  konfessionelle  Partei,
sondern  gegen  den  Mißbrauch,  den  das  Zentrum,  gelehnt  auf  die  Sozialdemokratie,
  mit  seiner  ausschlaggebenden  Stellung  getrieben  hat.  Die  Abstimmung
  vom  13.  Dezember  hatte  leider  bewiesen,  daß  auch  eine  für  die
katholische  Kirche  und  für  unsere  katholischen  Mitbürger  gerechte  und  wohlwollende
  Regierung  nicht  vor  Feindschaft  und  Angriffen  der  Zentrumspartei
  sicher  ist;  aber  das  sollte  doch  wenigstens  die  Haltung  der  Regierung
bewirkt  haben,  daß  uns  nicht  in  vollständigem  Widerspruch  mit  dem  wirklichen
  Sachverhalt  Gesinnungen  und  Absichten  beigelegt  werden,  die  niemals
  bestauden  haben.

Meine  Oerren,  ich  komme  jetzt  auf  einen  Punkt,  über  den  begreiflicherweise
  —  das  muß  ich  zugeben  —  der  Herr  Abgeordnete  Dr.  Spahn  rasch
weggegangen  ist,  über  den  uns  aber  der  Herr  Abgeordnete  Bassermann
mancherlei  Interessantes  gesagt  hat:  ich  meine  das  Verhältnuis,  das  in  diesem
Wahlkampf  obgewaltet  hat  zwischen  der  Zeutrumspartei  und  der  sozialdemokratischen
  Partei.  Meine  Herren,  ein  Mitglied  der  Zeutrumspartei
hat  mir  im  Abgeordnetenhause  den  Vorwurf  gemacht,  daß  ich  die  Zentrumspartei
  in  denselben  Topf  geworfen  hätte  mit  der  sozialdemokratischen  Partei.
Das  ist  mir  gar  nicht  eingefallen.  Aber  zu  meinem  lebhaften  Erstauuen  und
zu  meinem  tiefen  Bedauern  fand  ich  plötzlich  das  Zentrum  in  dem  Topf
der  sozialdemokratischen  Partei.

(Große  Heiterkeit.)
Wie  das  zustande  gekommen  ist,  wer  sich  zuerst  zum  andern  hingezogen  gefühlt
  hat,  das  weiß  ich  nicht;  ich  weiß  nur,  daß  ich  mich  unvermutet  einer
Koalition  zwischen  Zentrum  und  Sozialdemokratie  gegenüber  befand,  zu
der  ich  Stellung  nehmen  mußte.  Um  so  ungerechter  ist  der  Vorwurf,  daß
ich  durch  meine  Haltung  gegenüber  der  Zeutrumspartei  eine  Einigung  aller
bürgerlichen  Parteien  gegenüber  der  Sozialdemokratie  unmöglich  gemacht
hätte.  Wenn  es  zu  einer  solchen  Einigung,  auf  die
ich  lange  hingcarbeitet  habe,  die  noch  heute  das
Idcal  vieler  guten  Patrioten  ist,  —  wenn  es  zu
ciner  solchen  einheitlichen  Front  noch  nicht  gekommen
  ist,  so  lag  die  Schuld  in  erster  Linic  an
der  Zentrumspartei.  Nicht  nur  weil  sie  es  zum  Bruch  mit  der
Regierung  getrieben  hatte,  sondern  weil  sie  auch  demonstrativ  an  der  Seite