Februar  1907.  11

demokratie,  der  Regierung  und  den  anderen  bürgerlichen  Parteien  Schach
bietet?

(Sehr  richtig!  rechts.)
Wenn  das  sogar  in  nationalen,  in  Wohrfragen  geschieht,  dann  ist  freilich
keine  einheitliche  Front  gegenüber  der  Sozialdemokratie  möglich.

Wenn  man  mir  das  Verhalten  der  Liberalen  in  Köln  entgegenhält,
so  erwiderc  ich  darauf,  daß  zunächst  eine  große  Anzahl  Kölner  Liberaler,  der
Herr  Oberbürgermeister  Becker  an  der  Spitzc,  für  den  Zentrumsabgeordneten
eingetreten  sind.  Das  hat,  wenn  mich  mein  Gedächtnis  nicht  täuscht,  auch
der  Herr  Abgcordnete  Trimborn  nach  seiner  Wahl  auerkannt.

(Zustimmung  des  Abgcordneten  Trimborn.)
—  Ich  konstatiere  mit  Vergnügen,  daß  der  Herr  Abgcordnete  Trimborn
mir  zustimmt.  —  Sofern  aber  Liberale  in  Köln  eine  andere  Haltung  cingenommen
  haben,  mißbillige  ich  ihr  Verhalten.

(Bravok  rechts.)
Ich  habe  vor  und  bei  der  Wahl  nicht  den  mindesten  Zweifel  darüber  gelassen,
daß  ich  jede  direkte  oder  indirekte  Unterstützung,  die  hier  und  da  Liberale
der  Sozialdemokratie  gewährt  haben,  durchaus  und  im  höchsten  Grade
mißbillige.

(Bravo!  rechts.  Unruhe  und  Zurufe  von  den  Sozialdemokraten.)
Solange  die  Sozialdemokratie  auf  ihrem  gegenwärtigen,
  von  dem  Herrn  Abgeordneten  Bebel  in  Dresden  so  prägnant
formulierten  Standpunkte  der  Todfeindschaft  gegen
den  nationalen  Staat  und  die  bürgerliche  Gesellschaft
  vorharrt,  so  lange  sollten  Wahlbündnisse
nur  zwischen  den  bürgerlichen  Parteien  möglich
sein.  Die  bürgerlichen  Parteien  sollten  auch  zu  stolz  sein,  sie  sollten  zu
viel  Würde  und  Selbstachtung  haben,  um  im  Wahlkampfe  mit  der  Sozialdemokratic
  zusammenzugehen,  die  alle  bürgerlichen  Parteien  mit  demgleichen
Haß  verfolgt,  die  sie  alle  mit  derselben  verächtlichen  Geringschätzung  behandelt.


(Lebhaftes  Bravo  rechts  und  links.)
Das  Zentrum  aber,  das  christliche  Grundsätze  vertritt,  das  soeben  noch  durch
den  Mund  seines  Führers  uns  gesagt  hat,  daß  unsere  ganze  Kultur  auf  dem
Christentum  ruht,  sollte  in  dieser  Beziehung  mit  gutem  Beispiel  vorangehen;
gerade  ihm  sollte  jedes  Zusammengehen  mit  der  Sozialdemokratie  unmöglich
sein.  Und  es  ist  mir  ein  Bedürfnis,  von  dieser  Stelle  aus  denjeuigen  Katho-