14  1.  Die  neue  Mehrheit.

legen  und  hierfür  auch  amtliches  Material  zur  Verfügung  zu  stellen,  ihren
Rat,  wenn  er  erbeten  wird,  nicht  zu  verweigern.

Nach  der  Auflösung  des  Reichstags  sind  manche  Herren  aus  Ihrer  Mitte
bei  mir  gewesen  und  haben  mit  mir  Gedanken  über  den  Wahlkampf  ausgetauscht.
  Ich  glaube  nicht,  daß  einer  dieser  Herren  den  Eindruck  mitge—
nommen  haben  wird,  als  ob  ich  unberechtigte  Wahlbeeinflussung  betriebe.
Ob  der  General  Keim  in  jedem  einzelnen  Fall  immer  das  Richtige  getroffen
hat,  kann  ich  nicht  entscheiden;  aber  gegenüber  den  Verlegenheiten,  die  man
jetzt  dem  Generalmajor  Keim  mit  Hilfe  gestohlener  Briefe  zu  bereiten  sucht,
will  ich  laut  und  dankbar  anerkennen,  daß  sich  der  Generalmajor  Keim  mit
seiner  Person  in  selbstloser,  aufopfernder,  rastloser  Weise  in  den  Dienst
einer  guten  Sache  gestellt  hat.

(Bravol  rechts.)

Ich  billige  selbstverständlich  nicht  persönliche  Angriffe  gegen  die  Personen
der  Gegner;  aber  auch  in  dieser  Richtung  muß  man  die  Hitze  des  Wahlkampfes
in  Betracht  ziehen.  Ich  kann  das  sagen,  meine  Herren,  der  ich  während  der
10  Jahre,  wo  ich  auf  dieser  Bank  sitze,  meines  Wissens  nie  einen  politischen
Gegner  in  persönlicher  Weise  angegriffen  habe,  der  ich  den  politischen  Kampf
niemals  auf  das  persönliche  Gebiet  übertragen  habe,  weil  ich  das  kleinlich
finde.  Aber  anderswo  wird  das  nicht  immer  so  gehandhabt.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Mit  der  Art  und  Weise,  wie  die  Sozialdemokratie  diesen  Wahlkampf  geführt
hat,  werde  ich  mich  wohl  noch  zu  beschäftigen  haben;  aber  auch  von  der
Zentrumspartei  ist  in  Wahlaufrufen,  in  Wahlartikeln,  in  Wahlbroschüren  und
in  Wahlflugschriften  viel  gesündigt  worden.

Ich  habe  hier  eine  ganze  Blütenlese  solcher  Außerungen  vor  mir.  Da
wimmelt  es  nur  so  von  Injurien  und  —  mehr  als  kühnen  Behauptungen.
Also,  meine  Herren,  lesen  Sie,  bitte,  die  schöne  Parabel  vom  Splitter  und
vom  Balken.  Denken  Sie  lange  darüber  nach,  denken  Sie  an  den  Balken
im  eigenen  Auge,  und  messen  Sie  Freund  und  Gegner  mit  dem  gleichen
Maße!

(Bravol)

Meine  Herren,  von  zwei  Seiten  ist  heute  die  Frage  aufgeworfen  worden:
wer  hat  bei  diesen  Wahlen  gesiegt?  Nicht  die  Parteien,
meine  Herren,  die  auch  in  diesem  Wahlkampf  manche  Beweise  von  Engherzigkeit
  und  Kurzsichtigkeit  gegeben  haben.  Auch  nicht  die  Herren  Parteiführer,
  die  zum  Teil  vor  der  Auflösung  daran  zu  zweifeln  schienen,  ob  der
Reichskanzler  den  Mut  haben  würde,  den  ihm  hingeworfenen  Handschuh