18  2.  Gegen  die  Sozialdemokratie.

Die  Sozialpolitik  soll  aber  nicht  Halt  machen,  wenn  für  den  Arbeiter  gesorgt
ist,  sie  soll  nach  meiner  Uberzeugung  auch  in  verständigen  Grenzen  dem
Mittelstande  zu  gut  kommen
(lebhaftes  Bravo),
der  vielfach  mindestens  ebenso  schwer  zu  kämpfen  und  zu  leiden  hat  wie
die  eigentlich  arbeitende  Bevölkerung.
(Lebhaftes  Sehr  richtig.)

Meine  Herren,  ich  beschränke  mich  heute  auf  diese  kurzen  Andeutungen,
die  Ihnen  nur  zeigen  sollen,  daß  nach  meiner  festen  Uberzeugung  es  sehr
wohl  möglich  ist,  eine  fruchtbare  zielbewußte  Politik
mit  derjenigen  Mehrheit  zu  treiben,  die  uns  das
deutsche  Volk  durch  die  Wahlen  gegeben  hat.

(Lebhafter  Beifall  rechts  und  links.)
Diese  Politik  wird  um  so  fruchtbarer  sein,  je  mehr  sie  getragen  wird  von
Vertrauen  unter  den  Mehrheitsparteien  und  zwischen  den  Mehrheitsparteien
  und  den  verbündeten  Regierungen.
(Wiederholter  Beifall.)
Möge  dieses  Vertrauen  sich  immer  mehr  befestigen  und  wachsen  zum  Wohle
des  deutschen  Volkes  und  zum  Besten  der  ihm  gestellten  großen  Aufgaben.
(Stürmisches,  anhaltendes  Bravorufen  und  Beifallklatschen.)

2.  Gegen  die  Sozialdemokratic.

Sitzung  des  Reichstags  vom  26.  Februar  1907.

Am  folgenden  Tagec,  26.  Febrnar  1907,  griff  der  Abg.  Bebel  den  Reichskanzler
scharf  an,  indem  er,  Bismarck  gegen  Bülow  ausspielend,  ihm  Haß  gegen  die  Sozialdemokratic,
  ungefetzliche  Wahlbeeinflussung,  Erhaltung  des  Schlechten  und  Lebensunfähigen  im
Staate,  ungerechte  Beurteilung  der  praktischen  Arbeit  der  Sozialdemokratic  infolge  Unkenntnis
  der  Sozialpolitik  vorwarf.  Darauf  erwiderte  Fürst  Bülow.

Reichskanzler  Fürst  von  Bülow:

Meine  Herren,  mit  Bezug  auf  eine  konkrete  Anfrage,  die  der  Herr
Abgcordnete  Bebel  im  Laufe  seiner  Ausführungen  über  angebliche  Wahlbeeinflussungen
  der  Regierung  während  des  Wahlkampfes  an  mich  gerichtet
hat,  will  ich  vor  diesem  hohen  Hause  und  vor  dem  Lande  auf  das  entschiedenste
  und  unzweideutigste  erklären  und  feststellen,  daß  während  der