Februar  1907.  19

Wahlbewegung  aus  amtlichen  Fonds  für  Wahlzwecke  nicht  ein  roter
Heller  ausgegeben  worden  ist.
(Hört!  hört!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Im  übrigen,  meine  Herren,  weiß  jedes  Mitglied  dieses  hohen  Hauses,
daß  ebenso  wie  zum  Kriegführen  auch  zu  einer  Wahlkampagne  Geld  gehört.
Ich  habe  mich  deshalb  für  die  Bildung  eines  Komitees  interessiert,  welches
für  die  Minderheitsparteien  am  13.  Dezember  Geld  gesammelt  hat.

(Hört!  hört!  bei  den  Sozialdemokraten.)
Das  zu  tun,  meine  Herren,  ist  mein  gutes  Recht,  und  von  diesem  meinem
guten  Recht  habe  ich  Gebrauch  gemacht.  Die  gesammelten  Gelder  sind
nicht  durch  mich,  sondern  durch  Vertrauensmänner  der  Parteien  verteilt
worden.  Dem  Wunsche  einzelner  Geldgeber  gemäß  haben  auch  in  einzelnen
Fällen  Anregungen,  die  mir  zugegangen  sind  und  von  mir  an  die  Verteilungsstellen
  übermittelt  waren,  Berücksichtigung  gefunden.

Im  übrigen  gehe  ich  auf  die  Ausführungen  des  Herrn  Abgeordneten
Bebel  über  Wahlbecinflussungen  heute  nicht  weiter  ein,  da  ich  sie  gestern
schon  im  voraus  widerlegt  zu  haben  glaube.

(Heiterkeit.)
Ich  will  diesen  Teil  der  Ausführungen  des  Herrn  Vorredners  aber  dankbar
quittieren  als  einen  Beweis  dafür,  daß  die  Regierung  bei  diesen  Wahlen
nicht  geschlafen  hat,  sondern  daß  sie  auf  dem  Posten  war  und  ihre  Schuldigkeit
  tat.
(Sehr  richtig!  und  Bravo!  rechts.)

Meine  Herren,  der  Herr  Abgcordnete  Bebel  hat  auch  gemeint,  daß
die  Sozialdemokratie  vorzugsweise,  wenn  nicht  gar  lediglich,  eine  reformatorische
  Tätigkeit  entfalte.  Er  hat  den  Vorwurf  weit  abgewiesen,  als  ob
die  Sozialdemokratie  destruktiv  sei.  Das  hat  mich  gewundert,  da  im  Laufe
derselben  Rede  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  uns  in  Aussicht  gestellt  hatte,
daß  er  heute  nur  Dinge  sagen  wolle,  die  er  beweisen  könne.

(Große  Heiterkeit.)
Der  Herr  Abgcodnete  Bebel  hat  wohl  vergessen,  daß  er  vor  wenigen  Jahren
auf  dem  sozialdemokratischen  Parteitag  in  Dresden,  wo  er  frei  von  der
Leber  sprach,  gesagt  hat,  er  sei  ein  Todfeind  der  bestehenden  gesellschaftlichen
  Ordnung,  und  er  werde  nicht  eher  ruhen  und  rasten,  als  bis  er  diese
gesellschaftliche  Ordnung  zerstört  und  vernichtet  habe.
(Hört!  hört!  und  Heiterkeit.)