20  2.  Gegen  die  Sozialdemokratie.

Nun  hat  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  auch  dem  Andenken  des  ver—
wigten  Fürsten  Bismarck  gehuldigt,  indem  er  gesagt  hat,  Fürst  Bismarck
habe  der  Sozialdemokratie  immer  objektiv  gegenübergestanden.  Ich  kon—
statiere  zunächst,  daß  diese  Anerkennung  des  Herrn  Abgeordneten  Bebel
für  meinen  großen  Amtsvorgänger  etwas  spät  kommt.

(Große  Heiterkeit.)
Wenn  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  aber  weiter  mir  vorgeworfen  hat,  ich
nehme  Partei  gegen  die  Sozialdemokratie,  so  erwidere  ich  darauf,  daß,
solauge  die  Sozialdemokratie  die  Monarchie  bekämpft,
  welche  die  Grundlage  unserer  Verfassung
ist,  jeder  Minister,  der  seine  Schuldigkeit  tut,
Partei  nehmen  muß  gegen  die  Sozialdemokratie.
(Sehr  richtig!  rechts.)
Das  hat  Fürst  Bismarck  getan,  und  das  wird  jeder  seiner  Nachfolger  tun.

Nun,  meine  Herren,  hat  der  Herr  Abgeordnete  Bebel  gemeint,  sobald
die  Rede  auf  die  Sozialdemokratie  käme  oder  sobald  ich  ihn  vor  mir  sähe,
würde  ich  nervös.  Ach  du  lieber  Himmel!

(Große  Heiterkeit.)
Ich  nehme  die  sozialdemokratische  Gefahr  ernst,  ich  nehme  sie  sehr  ernst,
aber  nervös  macht  sie  mich  gar  nicht.

Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  sich  dann  mit  der  Wahlniederlage
beschäftigt,  die  die  Sozialdemokratie  erlitten  hat  1).  Er  hat  sich  bemüht,
diese  Niederlage  abzuschwächen,  er  war  sichtlich  bestrebt,  die  Niederlage
zu  beschönigen,  die  unter  seiner  Führung  die  sozialdemokratische  Armee
erlitten  hat.  Geschlagene  Feldherren  pflegen  sich  ja  verschiedenartig  zu
benehmen.  Entweder  sie  hüllen  sich  in  Schweigen  —  das  ist  wohl  das
Würdigste

(Heiterkeit),
das  tat  z.  B.  der  tapfere  Benedek;  oder  sie  bringen  sich  selbst  um,  wie  der
alte  Cato
(große  Heiterkeit),
—  das  läßt  sich  auch  sehen  —
(wiederholte  große  Heiterkeit);
oder  aber  die  Niederlage  erhöht  noch  die  Redseligkeit
(stürmische  Heiterkeit),

1)  Die  sozialdemokratische  Partei  hatte  in  dieser  Wahl  36  Sitze  verloren  und  war
von  79  auf  43  Mitglieder  gesunken.