24  2.  Gegen  die  Sozialdemokratie.

Auch  in  anderer  Beziehung  hat  bei  diesem  Wahlkampf  die  Sozial—
demokratie  sich  selbst  übertroffen.  Der  Herr  Abgeordnete  Bebel  hat  uns
eine  ganze  Reihe  von  Zeitungsausschnitten  vorgelesen,  und  ich  möchte
mir  erlauben,  hier  kurz  einen  Ausschnitt  vorzulesen  aus  einem  bürger—
lichen  demokratischen  Blatt.  Die  „Frankfurter  Zeitung“  schrieb  unter
dem  6.  Februar:
Die  hiesige  Sozialdemokratie
—  also  die  Frankfurter  Sozialdemokratie  —
hat  im  Wahlfampf  von  dem  verwerflichen  Mittel  der  Fälschung  und
Verleumdung  ausgiebigen  Gebrauch  gemacht.  Ihren  Fälscherkungtstücken
  setzte  sie  aber  am  heutigen  Stichwahltage  mit  einem  heute
Nachmittag  verteilten  Flugblatt  die  Krone  auf,  in  dem  unter  der
Spitzmarke  „Stimmenkauf“  mitgeteilt  wird:  vor  dem  „Restaurant
zum  Storch“,  am  Wahllokal  des  ersten  Wahlbezirkes,  seien  heute
Morgen  um  10  Uhr  einem  Tapezier  namens  Wilhelm  Hgescher,
wohnhaft  Bendergasse  32  (im  Adreßbuch  nicht  auffindbar),  von
einem  freisinnig-demokratischen  Wahlhelfer  10  Mark  geboten  worden,
wenn  er  Oeser  wähle.  Das  gleiche  Angebot  sei  einem  Zementarbeiter
gemacht  worden.  Daß  das  eine  freche  Lüge  ist,  braucht  nicht  erst  gesagt
zu  werden.  Aber  die  Frechheit,  mit  der  das  „sozialdemokratische
Wahlkomitee“  diese  Lügen  verbreitete,  wird  ins  rechte  Licht  erst
durch  die  Tatsache  gerückt,  daß  dieses  Flugblatt  bereits  gestern  abend
gedruckt  und  zur  Verteilung  bereitgelegt  war.
(Große  Unruhe  und  Unterbrechungen  bei  den  Sozialdemokraten.)
Wir  sind  auf  Grund  zuverlässigster  Information  in  der  Lage,  jederzeit
den  Nachweis  für  die  Wahrheit  unserer  Behauptung  zu  erbringen.
(Hört!  hört!  rechts.  —  Andauernde  Zurufe  von  den  Sozialdemokraten.)
—  Widerlegen  Sie  mich  doch  später,  wenn  Sie  das  Wort  haben!  Unterbrechen
  Sie  mich  nicht  ständig!  Das  ist  eine  schlechte  Angewohnheit.  Ich
habe  Sie  auch  nicht  unterbrochen,  Herr  Bebel!  —

Das  verteilte  Flugblatt  charakterisiert  sich  darnach  als  eine  Schurkerei

der  daran  beteiligten  Personen.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Unterzeichnet  ist  das  Fälschungsprodukt:  „Das  sozialdemokratische
Wahlkomitee.  Im  Auftrag:  Wilhelm  Dittmann."“

Die  Niederlage  der  Sozialdemokratie  war  aber  auch,  meine  Herren,
die  gerechte  Rache  für  den  so  rücksichtslos  von  ihr  geführten  Klassenkampf,