28  2.  Gegen  die  Sozialdemokratic.

Solange  sie  sich  in  dieser  Beziehung  nicht  wandelt,  ist  kein  Paktieren,  ist  keine
Verständigung  mit  ihr  möglich.

Und,  meine  Herren,  die  Niederlage  der  Sozialdemokratie  war  auch
wohlverdient  aus  einem  Grunde,  den  einer  der  guten  Köpfe  der  Sozial—
demokratie,  Herr  Schippel

(ahal  bei  den  Sozialdemokraten),

in  einem  Artikel  hervorgehoben  hat,  der  mir  vor  einigen  Tagen  vorgelegt
worden  ist.  Zu  diesem  Artikel  des  Herrn  Schippel  wird  die  Wahlniederlage
der  Sozialdemokratie  zurückgeführt  auf  die  Unwahrhaftigkeit  in  der  Agitation
der  Sozialdemokratic.  Die  Sozialdemokratie  habe  erklärt,  der  Zolltarif
wird  niemals  zustande  kommen!  —  er  ist  zustande  gekommen.  Sie  haben
erklärt,  auf  der  Basis  dieses  Zolltarifs  ließen  sich  keine  Handelsverträge  abschließen:
  —  wir  haben  sie  abgeschlossen.  Sie  haben  erklärt,  diese  Handelsverträge
  würden  die  Judustrie  schädigen,  unseren  Wohlstand  lähmen:  —
unser  Wohlstand  steigt,  unsere  Industrie  blüht.  Nun  meint  Herr  Schippel
—  wohl  nicht  mit  Unrecht  —,  daß  ein  solches  Geflunker,  wie  er  sich  ausdrückt,
viele  Wähler  satt  bekommen  hätten.

Die  Niederlage  der  Sozialdemokratie  war  endlich  wohlverdient  wegen
der  unpatriotischen  Haltung,  in  die  sich  die  deutsche  Sozialdemobratie  leider,
leider  mehr  und  mehr  verrannt  hat.  Nur  die  deutsche  Sozialdemokr  atie
stellt  internationale  Ideale  über  die  nationalen,  nur  den  deutschen  Sozialdemokraten
  fehlt  bedauerlicherweise  noch  immer  jeder  Sinn  für  nationale
Bedürfnisse  und  Forderungen.  Die  Sozialdemokraten  aller  anderen  Länder
stehen  mit  verschwindenden  Ausnahmen  in  großen  nationalen  Fragen  zu
ihrem  Volke.  Wann  hat  je  ein  namhafter  ausländischer  Sozialdemokrat
erklärt,  daß  der  Sozialdemokrat  das  Vaterland  nur  dann  verteidigen  könnec,
wenn  das  Parteiprinzip  das  zulasse?  Glauben  Sic,  daß  Jaurös,  daß  Millerand,
  daß  Turani  je  so  etwas  sagen  würden?  Nie  und  nimmermehr!  Und
das  war  doch  der  Sinn  mancher  Ausführungen,  die  wir  hier  von  dem  Abgeordneten
  Bebel  in  früheren  Jahren  gehört  haben.  Das  neune  ich  eben  unpatriotisch
  und  vaterlandslos,  wenn  man  die  Partei  über  das  Vaterland
stellt,  wenn  man  dem  Vaterlande  ein  Sedan,  ein  Jena  wünscht,  vorausgesetzt,
  daß  die  Partei  dabei  prosperiert.

Erst  vor  wenigen  Tagen  ist  mir  ein  Artikel  des  „Vorwärts“  vorgelegt
worden,  in  dem  insinuiert  war,  daß  wir  nur  deshalb  Südwestafrika  festhielten,
  um  von  dort  aus  den  englischen  Besitz  in  Südwestafrika  zu  bedrohen.
Diese  Insinnation  des  „Vorwärts“  ist  nicht  nur  eine  niederträchtige  Verleumdung


(große  Unruhe  bei  den  Sozialdemokraten),