Februar  1907.  29

—

sondern  sie  ist  auch  ein  heller  Unsinn.  Niemals  haben  solche  Absichten  bestanden,
  niemals  werden  sie  bestehen.  Daß  uns  aber  derartige  Absichten
untergelegt  werden,  daß  man  dadurch  gegen  uns  im  Auslande  Mißtrauen
zu  erwecken  und  uns  dadurch  das  Ausland  auf  den  Hals  zu  heuen  sucht,  das
neunc  ich  verwerflich.

(Lebhafter  Beifall  rechts  und  links.)

Auf  solche  Manöver,  auf  solche  Quertreibereien  ist  es  auch  zurückzuführen,
daß  im  Auslande  hier  und  da  der  Sieg  der  nationalen  Parole  bei  den  Wahlen
als  eine  Bedrohung  des  Friedens  aufgefaßt  worden  ist,  während  doch  in
Wirklichkeit  dadurch  die  berechtigten  Hoffnungen  auf  die  Erhaltung  des
Friedeus  und  die  guten  Beziehungen  zu  allen  anderen  Mächten  gekräftigt
und  befestigt  werden.

(Lebhafte  Zustimmung.)

Meine  Herren,  die  Bedeutung  dieser  Niederlage  der  Sozialdemokratie
sehe  ich  in  zwei  Momenten.  Ich  sehe  sie  zunächst  mit  dem  Herrn  Abgcordneten
Bassermann  darin,  daß  klar  zutage  getreten  ist,  daß  die  sozialdemokratische
Bewegung  nicht,  wic  das  gewisse  Bonzen  der  sozialdemokratischen  Lehre
behaupten,  mit  Naturnotwendigkeit  steigen,  daß  sie,  was  man  auch  dagegen
unternehmen  möge,  mit  elementarer  Gewalt  alles  überschwemmen  müsse.
Nein,  nein,  und  dreimal  nein!

(Lachen  bei  den  Sozialdemokraten.)
Wenn  die  bürgerliche  Gesellschaft  sich  auf  sich
selbst  besinnt,  wenn  sic  ihre  Reihen  schließt,  wenn
sic  die  zum  Schutze  ihrer  Freiheit  und  ihrer  Kultur
nötigen  Schutzdämme  und  deiche  aufführt,  so
stehen  die  trüben  Gewässer  der  Sozialdemokratic,
so  weichen  sie,  so  gehen  sie  zurück.  Nicht  nur  in  den  ländlichen
  Distrikten,  sondern  auch  in  den  Großstädten.  Ich  hoffe,  daß  bei  den
nächsten  Wahlen  Karlsruhe  und  Stuttgart,  Mainz  und  Nürnberg  erreichen
werden,  was  bei  diesen  Wahlen  Leipzig,  Frankfurt  a.  M.,  Breslau,  Elberfeld,
Königsberg,  Stettin,  so  viele  andere  schönc,  ehrwürdige  Städte,  dank  dem
Bürgersinn,  dank  der  Tapferkeit  und  der  Einigkeit  ihrer  Bürger  erreicht
haben.
(Bravo!  rechts.)

Ich  hoffe,  daß  Lübeck  und  Hamburg  dem  ruhmvollen  Beispiel  von  Bremen
folgen  werden
(bravo!),