32  3.  Haager  Konferenz.

3.  Haager  Konferenz.  —  Abrüstungsidee.  —  Autrag  Hompesch.  —
Internationale  Lage.
Sitzung  des  Reichstags  vom  30.  April  1907.

Am  30.  April  1907  erörterte  der  neue  Reichstag  zum  ersten  Male  die  Stellung  Deutschlands
  in  der  auswärtigen  Politik.  Die  Reden  der  Abg.  Freiherr  v.  Hertling,
Winckler,  Bassermann,  Fürst  v.  Hatzfeldt,  Dr  Wiemer  gaben  dem
Gefühle  Ausdruck,  daß  sich  seit  der  letzten  Besprechung  dieser  Dingen)  die  Spannung  in  der
internationalen  Politik  vergrößert  habe  und  eine  unleugbare  Nervosität  aus  den  Außerungen
  der  öffentlichen  Meinung  hervorklinge.  Am  8.  April  war  König  Eduard  VII.  von
England  in  Cartagena  mit  dem  Könige  von  Spanien  und  am  18.  April  in  Gaeta  mit  dem
Rönig  von  Italien  zusammengetroffen.  Dadurch  war  eine  gewisse  Besorgnis  vor  der  sog.
„Einkreisungspolitik“  des  Königs  von  England  gegenüber  Deutschland  und  vor  einem
drohenden  Kriege  beider  Mächte  gesteigert  worden.  In  Aussicht  (für  Juni)  stand  die  zweite
Haager  Konferenz,  deren  interessantester  Programmpunkt  die  Anregung  Großbritanniens,
Spaniens  und  der  Vereinigten  Staaten  auf  Diskussion  einer  Einschränkung  der  Rüstungen
sein  sollte.  Alle  fünf  Fraktionsredner  hatten  übereinstimmend  den  Standpunkt  dazu  vertreten,
daß  Deutschland  das  Maß  seiner  Rüstungen  selbst  bestimmen  müsse.  Das  Gefühl  der  erhöhten
  Spannung  in  der  auswärtigen  Politik  hatte  sich  außerdem  in  dem  Wunsch,  daß
der  Reichstag  häufiger  zur  Diskussion  auswärtig-politischer  Fragen  in  den  Stand  gesetzt
werdc,  und  in  einer  Kritik  an  der  Ergänzung  der  deutschen  Diplomatie  ausgedrückt:  der
verantwortlichen  Leitung  der  auswärtigen  Politik  wurde  jedoch  übercinstimmend  das  volle

Vertrauen  ausgesprochen.  Darauf  ergriff  der  Reichskanzler  das  Wort.

Reichskanzler  Fürst  von  Bülow:

Meine  Herren,  von  allen  Rednern,  die  das  Wort  bisher  ergriffen
haben,  ist  die  im  Juni  dieses  Jahres  bevorstehende  Haager  Konferenz
berührt  worden.  Ich  will  zunächst  über  diesen  Gegenstand  das  Nachstehende
sagen.  Ende  des  Jahres  1904  hatte  der  Präsident  der  Vereinigten  Staaten
von  Amerika  angeregt,  Einladungen  zu  einer  neuen  Haager  Konferenz
ergehen  zu  lassen.  Sie  sollte  angesichts  mancher  während  des  russischjapanischen
  Kriegs  akut  gewordenen  Neutralitätsfragen  sich  hauptsächlich
mit  der  Weiterbildung  des  Scekriegsrechts  beschäftigen.  Diese  Anregung
ist  dann  im  Jahre  1905  von  der  russischen  Regierung  ausgenommen  worden.
Die  Vorarbeiten  für  die  Konferenz  haben  sich  zu  einem  eingehenden  Programm
  verdichtet,  das  auf  russischen  Vorschlag  die  Zustimmung  der  Mächte
gefunden  hat.  Nach  diesem  Programm  sollte  sich  die  zweite  Haager  Konferenz
  mit  der  Verbesserung  oder  Ergänzung  der  Bestimmungen  der  drei
Haager  Abkommen  über  die  Schiedssprechung,  über  den  Landkrieg  und
über  die  Anwendung  der  Genfer  Konvention  auf  den  Seekrieg  sowic  mit

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