April  1907.  33

der  Ausarbeitung  eines  Seekriegsabkommens  befassen.  Aus  der  Thronrede
  ist  Ihnen  bekannt,  meine  Herren,  daß  die  deutsche  Politik  diese  russi—
schen  Vorschläge  sympaihisch  begrüßt  hat,  und  daß  sie  bereitwillig  mitwirken
wird,  um  ein  praktisches  Ergebnis  der  zweiten  Haager  Konferenz  zu  sichern.
Das  Programm  der  Konferenz  scheint  uns  zweckmäßig  ausgewählt  zu  sein.
Es  umschließt  solche  Fragen,  für  die  Fortschritte  des  geltenden  Völkerrechts
besonders  erwünscht  sind.  Wir  haben  deshalb  die  Einladung  der  russischen
Regierung  gern  angenommen.

Außerhalb  des  von  Rußland  aufgestellten  Programms  haben  sich  die
Mächte  auch  mit  der  Frage  beschäftigt,  ob  es  zweckmäßig  sei,  auf  der  Oaager
Konferenz  Gedanken  zu  erörtern,  die  Bezug  haben  auf  einen  Stillstand
oder  eine  Verminderung  der  Rüstungen.  Diese  Gedanken  sind  bisher
noch  nicht  bis  zur  Formulierung  eines  bestimmten  Vorschlages  gediehen.
Die  englische  und  die  spanische  Regierung  und  ähnlich  auch  die  der  Vereinigten
  Staaten  von  Amerika  haben  sich  nur  das  Recht  vorbehalten,  diese
Frage  auf  der  Haager  Konferenz  zur  Diskussion  zu  stellen.  Die  Verfechter
der  Abrüstungsider  —  ich  gebrauche,  wie  die  Herren  Vorredner,  der  Kürze
halber  diesen  Ausdruck  —  wollen  mit  der  Verwirklichung  dieses  Gedankens
bessere  Bürgschaften  für  den  Frieden  schaffen.  Wer  wollte  solche  Motive
nicht  durchaus  billigen?  Es  frägt  sich  nur,  ob  die  Erörterung  dieser  Frage
auf  einer  Konferenz  ein  geeignetes  Mittel  ist,  um  dem  Ziele  näher  zu
kommen.  Die  Erörterung  auf  der  ersten  Haager  Konferenz  hatte  nur  das
Ergebnis,  daß  die  Mächte  aufgefordert  wurden,  das  Problem  näher  zu
prüfen.  Die  deutsche  Regierung  ist  dieser  Aufforderung  nachgekommen,
hat  aber  keine  Formel  gefunden,  die  der  großen  Verschiedenheit  der  geo—
graphischen,  wirtschaftlichen,  militärischen  und  politischen  Lage  der  verschiedenen
  Staaten  gerecht  würde  und  geeignet  wärc,  diese  Verschiedenheit
zu  beseitigen  und  als  Grundlage  für  ein  Abkommen  zu  dienen.  Mir  ist
auch  nicht  bekannt,  daß  andere  Regierungen  glücklicher  gewesen  wären
und  eine  solche  Formel  gefunden  hätten.

(Sehr  gut!)
Solangc,  meine  Herren,  aber  nicht  einmal  sichere  Hoffnung  auf  eine  befriedigende
  Lösung  dieser  Frage  und  auf  die  Möglichkeit  ihrer  praktischen
Durchführung  besteht,  vermag  ich  mir  auch  von  einer  Erörterung  auf  einer
Konferenz  nichts  zu  versprechen.
(Sehr  richtig!)
Es  liegt  im  Gegenteil  die  Gefahr  vor,  daß  durch  die  Berührung  jener  widerstreitenden
  Interessen  eine  zweckwidrige  Wirkung  eintrete.
(Allseitige  Zustimmung.)
Hötzsch,  Fürst  Bülows  Reden  2c.  III.

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