April  1907.  37

präsident  gefragt,  ob  zwischen  Frankreich  und  England  eine  Militärfonvention
  bestünde,  —  meine  Herren,  gewiß  eine  schwerwiegende  Frage  von
großer  Bedeutung  für  das  französische  Volk.  Der  Herr  Ministerpräsident
antwortete  schlankweg:  ich  weiß  es  nicht,  aber  ich  glaube  es  nicht.
(Heiterkeit.)
Der  Fragesteller  nannte  diese  Antwort  ganz  ungeheuerlich:  sie  wurde
aber  in  der  französischen  Kammer  ernstlich  und  mit  Erfolg  nicht  getadelt,
die  Mehrheit  fand  die  Antwort  ganz  verständig.  Im  englischen  Parlament
ist  es  häufig  vorgekommen,  daß  Minister  dringende  und  eingehende  Fragen
über  wichtige  Probleme  der  auswärtigen  Politik  entweder  gar  nicht  oder
nur  mit  ja  oder  nein  beantwortet  haben.

Die  Führung  der  auswärtigen  Geschäfte  ist  ein  delifates  Metier,  da
kann  die  Verantwortung  sehr  schwer  geteilt  werden,  da  müssen  die  Entscheidungen
  und  Entschlüsse  derjenigen  Stelle  vorbehalten  bleiben,  die
über  alle  Einzelheiten  informiert  ist,  der  das  ganze  Material  zur  Verfügung
steht,  die  in  der  Lage  ist,  sich  über  jedes  Detail  zu  orientieren.  Ich  werde
bestrebt  sein,  den  Wünschen,  den  berechtigten  Wünschen  der  Volksvertretung
nach  Klarheit  auf  dem  Gebiete  der  auswärtigen  Politik  auch  ferner  zu
entsprechen:  ich  kann  mich  aber  nicht  einer  Verpflichtung  unterwerfen,
deren  Erfüllung  Unzuträglichkeiten  für  das  Land  zur  Folge  haben  könnte.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Gewiß,  meine  Herren,  gibt  es  Zeiten  und  gibt  es  Umstände,  wo  eine  Flucht
in  die  Offentlichkeit  notwendig,  wo  sie  wenigstens  unbedenklich  ist.  Aber
es  gibt  auch  Zeiten  und  Umstände,  wo  durch  jedes  vorzeitige,  unvorsichtige
Wort  Schaden  entstehen  und  dem  Lande  Nachteile  zugefügt  werden  können.
(Sehr  richtig!)

Meine  Herren,  ich  gehe  jetzt  über  zu  unseren  auswärtigen
Beziehungen.

Der  Herr  Abgcordnete  Bassermann  hat  neulich  draußen  im  Lande
seiner  Genugtuung  darüber  Ausdruck  gegeben,  daß  die  Periode  der  vielen
Reden  nach  und  nach  in  den  Hintergrund  getreten  wäre.

(Heiterkeit.)
Meine  Herren,  ich  halte  nicht  alles  für  gut,  was  bei  diesem  Anlaß  der  Herr
Abgeordnete  Bassermanm  über  die  internationale  Lage  und  über  unsere
Bezichungen  zu  anderen  Mächten  geäußert  hat.  Aber  soine  Ansicht  über
die  Nachteile  des  zu  vielen  Redens  teile  ich  vollkommen
(große  Heiterkeig),
und  ich  werde  deshalb  heute  Ihre  Zeit  auch  nur  kurz  in  Anspruch  nehmen.