November  1907.  47

Mietswohnungen,  an  die  fortschreitende  Entwicklung  der  Verkehrswege,
insbesondere  des  Eisenbahnbaues,  an  die  Vervollkommnung  der  wichtigsten
Wasserstraße  der  Provinz  Posen  durch  den  Ausbau  des  Holzhafens  von
Brahemünde,  an  die  Vermehrung  der  wissenschaftlichen  Anstalten  durch
die  Bibliothek  und  das  Museum  zu  Posen,  durch  das  landwirtschaftliche
Kaiser-Wilhelm  Institut  bei  Bromberg  und  die  Technische  Hochschule  in
Danzigt),  an  die  Freilegung  des  Festungsgeländes  in  Posen,  auf  dem  sich  das
neue  Kaiserschloß  erhebt,  an  die  weitgehende  Unterstützung  deutscher  Hand
werker  und  Gewerbetreibender  in  den  Städten,  an  die  Förderung  des
Fortbildungsschulwesens,  die  Begründung  des  Rreditinstituts  für  städtische
Hausbesitzer  und  anderes  mehr.

Vor  allem,  meine  Herren,  ist  es  der  Königlichen  Ansiedlungskommission,
die  doch  den  Kernpunkt  der  deutschen  Verteidigungsstellung  im  Osten  bildet,
möglich  gewesen,  ihre  Ansiedlungstätigkeit  zu  beschleunigen  und  umfangreicher
  zu  gestalten,  als  ich  dies  vor  5  Jahren  in  Aussicht  gestellt  hatte.
Während  in  den  Jahren  vor  1902  die  Zahl  der  jährlich  angesiedelten  Familien
sich  mur  langsam  vermehrte  und  niemals  über  700  betragen  hatte,  verstärkte
sich  von  1902  an  der  Zuzug  Ansiedlungslustiger  erheblich.  Es  wurden  1902:
1200,  1903:  1476,  1904:  1480,  1905:  1527,  1906:  1568,  und  1907  etwa
ebenso  viele  Bauernfamilien  angesetzt,  außerdem  noch  etwa  500  Arbeiterfamilien,
  im  ganzen  in  den  letzten  6  Jahren  mehr  als  9000  Familien.  Das
ist  ungefähr  doppelt  soviel  als  in  allen  vorangegangenen  Jahren  seit  1886
zusammen.

Schneller,  als  es  vorauszusehen  war,  hat  sich  dementsprechend  auch
der  Ansiedlungsfonds  wieder  erschöpfte).  Bevor  die  Königliche  Staatsregierung
  mit  neuen  Forderungen  zu  seiner  Auffüllung  an  den  Landtag
herantrat,  hielt  sie  sich  für  verpflichtet,  die  in  20  jähriger  Tätigkeit  bisher
erzielten  Wirkungen  der  Ansiedlungspolitik  eingehender,  als  es  bisher  geschehen
  war,  zur  Darstellung  zu  bringen.  Diesem  Zwecke  dient  die  Ihnen
im  Sommer  zugegangene  Deukschrifts).  Mit  der  Veröffentlichung  dieser
Denkschrift  wollte  die  Königliche  Staatsregierung  nicht  nur  die  bisherigen
Erfolge  der  Ansiedlungspolitik  weiteren  Kreisen  und  insbesondere  den  Mitgliedern
  des  Landtags  zur  Kenntnis  bringen,  sondern  sie  wollte  auch  auf  die
Hindernisse  und  Schwierigkeiten  hindeuten,  welche  sich  der  weiteren  Ver-1)

  In  dieser  Aufzählung  fehlt  die  1903  begründete  Kgl.  Akademic  zu  Posen.

2)  Der  Ansiedlungsfonds  war  1902  mit  150  Millionen  Mark  neu  aufgefüllt  worden.
5)  Die  Deukschrift  heißt:  Zwanzig  Jahre  deutscher  Kulturarbeit.  Tätigkeit  und  Aufgaben
  neupreußischer  Kolonisation  in  Westpreußen  und  Posen  1886—1906.  Berlin  1907.
W.  Moeser.