November  1907.  59

jahrelanger  konsequenter  Arbeit  und  der  beste  Beweis  für  die  Gesundheit
  der  bisherigen  Ansiedlungen.  Weisen  wir  jetzt  die  Kolonisten
ans  Mangel  an  Land  ab,  so  werden  sie  sich,  zumal  bei  der  lebhaften
Agitation  für  überseeische  Auswanderung,  anderen  Gebieten  zuwenden.
Hat  aber  ihr  Strom  erst  diese  veränderte  Richtung  angenommen,  so  werden
wir  ihn  später  nicht  beliebig  in  sein  altes  Bette  zurücklenken  können.

Meine  Herren,  es  steht  für  mich  nach  all  diesem  außer  Zweifel:  die
Tätigkeit  der  Ansiedlungskommission  muß  fortgesetzt
werden,  und  zwar  uneingeschränkt.  Dazu  brauchen  wir  alljährlich
  eine  große  Fläche  Landes,  und  wir  brauchen  sie  an
der  richtigen  Stelle.  Denn  die  Ansiedlung  deutscher  Bauern  und
Arbeiter  erfüllt  nur  dann  ihren  nationalpolitischen  Zweck,  wenn  sie  in
großen  geschlossenen  Gebieten  erfolgt.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Wir  können  nicht  dulden,  daß  die  Polen  durch  eine  rücksichtslose  nationale
Verhetzung  den  preußischen  Staat  in  seinem  Erwerb  auf  deutschen  Besitz
beschränken,  und  daß  hierdurch  in  Verbindung  mit  einer  ungesunden  Preistreiberei
  der  alte  deutsche  Privatbesitz  in  den  Provinzen  Posen  und  Westpreußen
  in  der  bedenflichsten  Weise  gelockert  und  seiner  allmählichen  Vernichtung
  entgegengeführt  wird.  Wir  können  unsern  Landbedarf  im  freihändigen
  Ankauf  nicht  mehr  decken,  und  daraus  ergibt  sich  mit  zwingender
Notwendigkeit,  daß  ein  eminentes  Staatsinteresse  die  Einräumung  der
Enteignungsbefugnis  an  die  Ansiedlungskommission  erfordert.
(Große  Unruhe  und  lebhafte  Zurufe  bei  den  Polen.  Sehr  richtig!  bei

den  Nationalliberalen.)

Der  Gedanke,  meine  Herren,  ist  nicht  neu.

(Widerspruch.)
Schon  mein  großer  Amtsvorgänger  Fürst  Bismarck  hat  ihn  in  seiner  Rede
vom  28.  Januar  1886  erwähnt,  und  ich  glaube  mit  ihm,  daß  an  der  verfassungsrechtlichen
  Zulässigkeit  dieser  Maßregel  ein  Zweifel  nicht  besteht.
(Oho!  bei  den  Polen.)
Nun  fragt  es  sich,
—  sagte  damals  Fürst  Bismarck  —
ob  Preußen  in  seinem  und  des  Deutschen  Reiches  Interesse  nicht
unter  Umständen  in  der  Lage  sein  sollte,  100  Millionen  Taler  auszugeben,
  um  die  Güter  des  polnischen  Adels  dafür  zu  gewinnen“
kurz  und  gut,