62  5.  Polenfrage  und  Enteignungsgesetz.

Von  einer  Ausrottung  oder  Verdrängung  kann  nicht  die  Rede  sein,  meine
Herren!  Der  polnische  ländliche  Grundbesitz  in  Westpreußen  und  Posen
beträgt  zurzeit  rund  1,7  Millionen  Hektar  und  hat  sich  in  den  letzten  Jahren
ständig  vermehrt.  Wollte  der  Fiskus  diese  Fläche  wirklich  erwerben,  so
würde  er  nach  den  jetzigen  Preisen  mindestens  2%  Milliarden  aufwenden
müssen,  und  schon  hieraus  ergibt  sich  die  Unausführbarkeit  dieses  Gedankens.
Wir  werden  die  scharfe  Waffe  der  Enteignung  nicht  zum  Angriff,
sondern  nur  zur  Verteidigung  des  Deutschtums  gebrauchen.

(Heiterkeit  bei  den  Polen.)

Gegenwärtig  liegt  es  tatsächlich  so,  daß  der  deutsche  Grundbesitz,
soweit  er  nicht  unter  Fideikommißbestimmungen  oder  Ansiedlerrecht  steht,
allmählich  von  den  Polen  und  der  Ansiedlungskommission  aufgezehrt  wird.

Das  Polentum  hat  sich  unter  dem  Schutze  unserer  Gesetze,  insbesondere
auf  genossenschaftlichem  Gebiete,  eine  Organisation  geschaffen,  deren
konsequente  Durchführung  und  einheitliche  Leitung  erstaunlich  ist,  und
deren  gewaltige  Kräfte  immer  und  überall  dem  politischen  Kampfe  gegen
das  Deutschtum  dienen,  mögen  auch  in  den  Satzungen  der  Vereine  und
Genossenschaften  nur  wirtschaftliche  oder  gar  paritätische  Grundsätze  proklamiert
  werden.  Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  daß  die  Leiter  der  Bewegung
  bewußt  und  planmäßig  darauf  hinarbeiten,  nicht  nur  Polen  und
Deutsche  zu  trennen,  sondern  den  letzteren  den  Aufenthalt  in  den  Ostmarken
  durch  feindselige  Haltung  allmählich  zu  verleiden  und  sie  aus  dem
Lande  hinauszudrängen.

(Widerspruch  bei  den  Polen.  Sehr  richtig!  rechts  und  bei  den  National-«
  liberalen.)

Es  ist  unzweifelhaft,  daß  der  von  polnischer  Seite  geflissentlich  verschärfte
Gegensatz  zwischen  beiden  Nationalitäten  wesentlich  dazu  beiträgt,  den
Widerstand  der  Deutschen  gegen  die  lockenden  Preisangebote  für  ihren
Grundbesitz  zu  schwächen.  Nicht  von  deutscher,  sondern  von  polnischer
Seite  wird  eine  Verdrängungspolitik  betrieben  in  stiller,  unauffälliger,
aber  desto  wirksamerer  Weise.

(Sehr  richtig!  rechts.)

Meine  Herren,  wir  wollen  mit  der  Enteignung  nur  folgendes  erreichen.
  Erstens  Ruhe  auf  dem  Gütermarkt,  die  schon  eintreten
  würde,  wenn  nicht  eine  Senkung,  wohl  aber  eine  Stabilisierung
der  jetzigen  Grundstückspreise  erzielt  würde.  Diese  wird  erreicht  werden,
sobald  die  Ansiedlungskommission  nicht  mehr  wie  jetzt  genötigt  ist,  sozusagen