November  1907.  63

atemlos  hinter  jedem  Gute,  dessen  sie  bedarf,  herzulaufen.  Zweitens
die  Möglichkeit  eines  plaumäßigen  Vorgehens  der
Ansiedlungskommission  und  drittens  die  Heranziehung  auch  des
polnischen  Besitzes  zur  Deckung  des  Landbedarfs  für  das  im
Interesse  des  Staates  notwendige  Ansiedlungsunternehmen.  Darin  liegt
keine  Ungerechtigkeit,

(GLeiterkcit  bei  den  Polen)

und  ich  glaube,  daß  allein  schon  die  Möglichkeit  der  Enteignung
wieder  dazu  führen  wird,  daß  die  Ansiedlungskommission  auch  polnisches
Land  freihändig  erwerben  kann.  Verteilt  sich  der  Landerwerb
einigermaßen  auf  den  Besitz  beider  Nationalitäten,  so  würde  das  nur  dazu
führen,  daß  der  deutsche  Besitz  dem  polnischen  die  Wage  hält,  anstatt  daß
jetzt  tatsächlich  eine  Beseitigung  des  deutschen  Grundbesitzes  sich  langsam,
aber  ohne  staatliche  Gegenmaßregeln  unaufhaltsam  vollzieht.

Meine  Herren,  daß  trotz  dieser  Erwägungen  gegen  diese  Vorschläge
der  Königlichen  Staatsregierung  auch  bei  Anhängern  unserer  Ansiedlungspolitik
  in  diesem  Hohen  Hause  Bedenken  bestehen  werden,  sohe  ich  voraus:
aber  ich  kann  nur  wiederholen:  die  Königliche  Staatsregierung  hat  lange
und  ernstlich  erwogen,  ob  sic  in  diesem  Falle  die  Anwendung  der  Enteignung
verantworten  kann,  und  sie  ist  zu  der  Uberzeugung  gelangt,  daß  sie  diese
Maßregel  nicht  nur  verantworten  kann,  sondern  daß  dieser  Schritt  unbedingt
  notwendig  ist.

Meine  Herren,  der  Preußische  Staat  würde  seine  oberste  Pflicht,  die
Pflicht  der  Selbsterhaltung,  versäumen,  wenn  er  gegenüber  den  Gefahren,
die  das  ostmärkische  Deutschtum  bedrohen,  die  wirksamste  Schutzmaßregel,
die  Ansiedlungspolitik,  in  dem  Augenblicke  aufgeben  wollte,  wo  sie  anfängt,
dauernde  Erfolge  zu  verheißen.  Das  wäre  eine  Schwenkung  in  unserer
Ostmarkenpolitik,  die  alles  übertreffen  würde,  was  der  Preußische  Staat
in  der  Vergangenheit  leider  durch  Mangel  an  Konsequenz  auf  diesem
Gebiete  verabsäumt  hat.

(Sehr  richtig!)

Damit  würden  wir  den  festen  Wall  einreißen,  der  der  vordringenden  Flut
entgegensteht;  damit  würden  unsere  Deutschen  im  Osten,  die  im  Vertrauen
auf  den  Schutz  des  Staates,  und  von  ihm  ermutigt,  sich  in  den  Ansiedlungsprovinzen
  niedergelassen  haben,  im  Stich  gelassen  und  damit  die  vollständige
Polonisierung  der  Provinzen  Posen  und  Westpreußen  und  der  angrenzenden
Landesteile  eingeleitet.