70  6.  Kamarilla.  —  Die  Reichstagsauflösung.

dieser  Giftpflanze  ist  doch  Abgeschlossenheit  und  Unselbständigkeit  des
Monarchen.
(Sehr  richtig!)
Nun  hat  man  ja  unserem  Kaiser  manchen  Vorwurf  gemacht,  wie  man  jedem
Menschen  diesen  oder  jenen  Vorwurf  macht;  aber  daß  er  sich  abschlösse  im
Verkehr,  und  daß  er  keinen  eigenen  Willen  hätte
(große  Heiterkeit),

das  ist  meines  Wissens  ihm  noch  niemals  vorgeworfen  worden.  Also,  ich
denke,  es  ist  an  der  Zeit,  das  Gerede  und  Geraune  und  Geflüster  über
Kamarilla  nun  endlich  einzustellen.
(Sehr  gut!)

Werfen  wir  dies  Wort  dahin,  wo  es  hingehört,  nämlich  in  die  Vergangenheit!

Da  ich  nun  einmal  das  Wort  ergriffen  habe,  will  ich  mich  noch  gegen
einen  Vorwurf  wenden,  der  mir  gerade  in  der  dem  Herrn  Abgeordneten
Spahn  nahestehenden  Presse  immer  wieder  begegnet,  gegen  die  Behauptung,
als  ob  ich  vor  bald  einem  Jahr  die  Auflösung  des  Reichstags  betrieben  hätte,
um  mich  gegen  persönliche  Angriffe,  gegen  Intrigen  zu  schützen.  Die  Auflösung
  des  Reichstags  hatte  mit  Kamarilla,  mit  Intrigen  und  mit  all  solchem
  Zeug  nicht  das  allermindeste  zu  tun.

(Sehr  richtig!)
Ich  habe  den  verbündeten  Regierungen  die  Auflösung  des  Reichstags  vorgeschlagen,
  weil  die  Zentrumspartei,  nachdem  sie  durch  Verwerfung  des
Reichskolonialamts,  durch  die  Verweigerung  der  Mittel  für  den  Bahnbau
Kubub-Keetmannshoop,  durch  Einmischung  in  die  inneren  Beamtenverhältnisse
  der  Kolonien,  durch  den  Vorstoß  des  Herrn  Abgcordneten  Roeren
gegen  den  neuen  Kolonialdirektor
(Unruhe  in  der  Mitte),
die  Geduld  der  Regierung  auf  eine  harte  Probe  gestellt  hatte
(lebhafter  Widerspruch  in  der  Mitte),
weil  die  Zentrumspartei  nach  allen  diesen  Vorgängen  am  13.  Dezember
die  Regierung  in  einer  nationalen  Frage  eigensinnig  ihre  Macht  fühlen  lassen
wollte.
(Stürmischer  Widerspruch  in  der  Mitte.  —  Lebhafter  Beifall  rechts
und  links.)

Ein  Reichskanzler,  der  vor  diesem  Antrag  zurückgewichen  wärc,  ein  Reichskanzler,
  der  sich  diesem  Vorgehen  unterworfen  hätte,  der  hätte  nicht  nur  das