November  1907.  71

Vertrauen  der  verbündeten  Regierungen,  der  hätte  Ehre  und  Reputation
verloren.
(Lebhafte  Zustimmung  rechts  und  links.)

Auf  andere  Fragen,  die  im  Laufe  der  Debatte  noch  berührt  worden
sind,  behalte  ich  mir  vor  demnächst  zurückzukommen.

(Lebhaftes  Bravo  rechts  und  links.  —  Zischen  in  der  Mitte.)

7.  Marokko.  —  Alazedonien.  —  Persien.  —  Einkreisungsgesahr.  —
Haager  Konferenz.  —  Kamarilla.  —  Stellung  des  Reichskanzlers.
Sitzung  des  Reichstags  vom  29.  November  1907.

Am  folgenden  Tage  (29.  November  1907)  knüpfte  der  Abgeordnete  Fürst  Hatzfeldt
  an  die  Erörterung  des  Reichstags  über  die  auswärtige  Politif  im  Frühjahr  an.
Inzwischen  hatte  die  Haager  Friedenskonferenz  stattgefunden,  auf  der  der  deutsche  Vertreter,
Freiherr  von  Marschall,  eine  hervortretende  Rolle  gespielt  hatte.  Die  äußerc  politische
Konstellation  hatte  sich  in  diesem  Halbjahr  nicht  wesentlich  verändert,  aber  die  Nervosität
ein  wenig  nachgelassen.  Darauf  sprach  Fürst  Bülow.

Reichskanzler  Fürst  von  Bülow:

Meine  Herren,  ich  möchte  mir  zunächst  einige  kurze  Worte  gestatten
über  die  Ausführungen,  die  der  Herr  Abgeordnete  Spahn  gestern  am
Schlusse  der  Sitzung  gemacht  hat,  gekleidet  in  die  Form  einer  persönlichen
Bemerkung,  Ausführungen,  denen  ich  leider  nicht  zuhören  konnte,  da  ich
durch  einen  dringenden  Vortrag  abgerufen  war.

Der  Herr  Abgcordnete  Spahn  hat  sich  dagegen  verwahrt,  daß  er  ganze
Regimenter  als  verseucht  bezeichnet  habe.  Ich  habe  —  ich  berufe  mich  in
dieser  Beziehung  auf  die  Oldenbergsche  Parlamentskorrespondenz  —  nicht
gesagt,  daß  der  Abgeordnete  Spahn  diese  Behauptung  ausgestellt  habe,
ich  habe  gesagt,  daß  derartige  unerwiesene  Behauptungen  im  Reichstage
nicht  ohne  Beweis  wiederholt  werden  dürften.

Der  Herr  Abgcordnete  Spahn  hat  weiter  gemeint,  ich  sei  falsch  unterrichtet,
  wenn  ich  ihm  nachsage,  daß  er  an  das  Kamarillageschwätz  geglaubt
habe.  Das  habe  ich  ihm  nicht  nachgesagt  und  nic  von  ihm  angenommen.
Ich  habe  in  meiner  Rede  gesagt  —  ich  zitiere  wieder  nach  dem  Oldenberg  —:

Ich  komme  nun  zu  dem  Thema  Kamarilla  und  wende  mich  da
gegen  den  Versuch,  mir  eine  Notiz  der  „Norddeutschen  Allgemeinen“
usw.  anzuhängen.