71  7.  Mazedonien.  —  Persien.

soll  ich  uochmals  die  internationalen  Schwierigkeiten  erörtern,  zu  denen  die
Ignorierung  unserer  Rechte  und  Interessen  in  den  Marokkohäfen  geführt
hatte.)?  Ich  glaube  nicht,  daß  das  nützlich  wäre.  Um  Marokko  hätten  wir
so  wenig  Kricg  geführt  wic  im  Jahre  1870  um  die  spanische  Thronkandidatur.
Das  eine  aber  wie  das  andere  konnte  der  Anlaß  werden,  unsere  Ehre,  unser
Ansehen,  unsere  Stellung  in  der  Welt  zu  verteidigen.

(Sehr  richtig!)

Soweit  während  der  Marokkowirren  eine  schleichende  Kriegsgefahr  vorhanden
  war,  ist  die  Sache  in  Algeciras  diplomatisch  geregelt  worden.

Ganz  unerfindlich  aber  ist  mir,  wic  man  von  einer  im  Jahre  1904  bestandenen
  Kriegsgefahr  hat  sprechen  können.  Weil  es  zu  keiner  Begegnung
gekommen  wäre  zwischen  Seiner  Majestät  dem  Kaiser  und  dem  Präsidenten
der  frauzösischen  Republiko  Darum  Krieg?  —  Meine  Herren,  keiner  der
Beteiligten,  weder  der  Kaiser  noch  der  Präsident,  hat  daran  gedacht  und
überhaupt  auch  nur  denken  können.  Es  ist  kindlich,  zu  glauben,  und  es  ist
tendenziös,  glanben  machen  zu  wollen,  daß  in  unserer  Zeit  zwischen  zwei
großen  zivilisierten  Nationen  ein  Krieg  anders  entstehen  könne  als  wegen
einer  Frage,  die  die  Lebensinteressen  dieser  Völker  berührt.

(Bravo!  und  sehr  richtig!  rechts  und  links.)

Gewiß,  meine  Herren,  hat  die  gleichzeitige  Anwesenheit  des  Kaisers  und  des
Präsidenten  im  Mittelmeer  den  Gedanken  an  eine  Begegnung  zwischen
beiden  entstehen  lassen.  Dieser  Gedanke  ist  aber  niemals  über  das  Bereich
guter  Wünsche  hinausgediehen,  es  hat  keine  Aufforderung  stattgefunden,  es
ist  keine  Ablehnung  erfolgt.

Ju  der  französischen  Presse  habe  ich  auch  gelesen,  Seine  Majestät  der
Kaiser  hätte,  erbost  über  die  Herzlichkeit  der  damals  in  Rom  und  Neapel
zwischen  dem  König  von  Italien  und  dem  Präsidenten  der  Republik  ausgetauschten
  Trinksprüche),  seine  Abreise  über  Venedig,  statt  über  Genna,
beschleunigt  und  auf  diese  Weise  die  Möglichkeit  einer  Entrevuc  mit  dem
Präsidenten  der  französischen  Republik  beseitigt.  Auch  das  ist  irrig.  Seine
Majestät  der  Kaiser  befand  sich  bereits  vor  Venedig,  als  die  Trinksprüche  in
Rom  gehalten  wurden,  und  befand  sich  bereits  auf  deutschem  Boden,  als

1)  S  bes.  die  Rede  vom  5.  April  1906,  II,  303  ff.  und  die  Aktenstücke  XXIV  bis
XXXII,  ebendort  403  ff.

2)  2.1.  April  1904  Ankunft  Loubets  in  Rom,  27.  April  Abreise  des  deutschen  Kaisers,
29.  April  Flottenparade  in  Neapel  unter  Teilnahme  des  Königs  von  Italien  und  des
Präsidenten  Loubet.