November  1907.  77

Friedens  und  der  Wohlfahrt  der  Völker  in  England  nicht  umsonst  gearbeitet
haben,  zeigt  die  unserem  Kaiserpaar  bereitete  Aufnahme.  Ich  bin  gewiß,
daß  ich  im  Namen  dieses  hohen  Hauses  spreche,  ich  bin  sicher,  daß  ich  die
Empfindungen  des  deutschen  Volkes  wiedergebe,  wenn  ich  sage,  daß  solche
friedlichen  und  freundlichen  Gefühle  von  uns  geteilt  und  aufrichtig  er—
widert  werden.

(Lebhaftes  Bravo  auf  allen  Seiten  des  Hauses.)

Von  verschiedenen  Seiten  ist  der  während  der  vorigen  Legislaturperiode
eingebrachte  Antrag  Hompesch  berührt  worden!).  Ich  habe  schon  vor
einem  Jahre  dargelegt,  warum  wir  uns  in  dieser  Beziehung  nicht  einem
Zwang  oder  auch  nur  einer  regelmäßigen  und  periodischen  Verpflichtung
unterwerfen  können.  Eine  solche  obligatorische  Veröffentlichung  würde
ein  Material  zutage  fördern,  das  sich  ganz  an  der  Oberfläche  hielte,  oder  sie
könnte  Anlaß  werden  zu  Mißverständnissen,  wenn  nicht  zu  Verwicklungen.
Ich  habe  aber  immer  das  Verlangen  des  Reichstags  nach  Klarheit  auf  dem
Gebiete  der  auswärtigen  Politik  für  durchaus  gerechtfertigt  gehalten,  und
es  wird  von  der  Leitung  der  auswärtigen  Politik  auch  weiter  das  Möglichste
geschehen,  um  diesem  Verlangen  Rechnung  zu  tragen:  nicht  nur  durch  das,
was  von  dieser  Seite  aus  dargelegt  werden  kann  über  den  Gang  unserer  auswärtigen
  Politik.  Ich  habe  im  Einverständnis  mit  dem  neuen  Herrn  Staatssekretär
  des  Außern  auch  angeregt,  daß  dem  Reichstage  urkundliches  Material
über  den  Gang  der  auswärtigen  Politik  so  weit  vorgelegt  werden  soll,  wie
dies  mit  den  Interessen  unserer  Politik  irgendwic  vereinbar  ist.

(Bravol)

Es  wird  Ihnen,  meine  Herren,  schon  in  den  nächsten  Tagen  ein  Weißbuch
  über  die  Haager  Konferenz  zugehen,  das  den  Wortlaut  der  im  Haag
vereinbarten  Verträge  in  deutscher  Ubersetzung  sowie  eine  erläuternde
Denkschrift  enthält.

Meine  Herren,  ich  möchte  noch  cinige  Worte  über  die  Haager  Konferenz
  sagen.  Da  möchte  ich  an  die  Spitze  stellen,  daß  wir  mit  den  im
Haag  geleisteten  Arbeiten  zufrieden  sein  können,  daß  wir  auch  mit  dem
Anteil  zufrieden  sein  können,  den  Deutschland  an  dieser  Arbeit  gehabt  hat.

(Sehr  richtig.)
Insbesondere  schließe  ich  mich  allem  an,  was  hier  zum  Lobe  unserer  Vertreter
  im  Haag  gesagt  worden  ist.  Unsere  Juteressen  im  Haag  sind  von  unserem

1)  S.  oben  S.  36f.