November  1907.  79

und  unsere  Delegierten  mit  ihr  geleistet  hat  im  Interesse  der  Humanität
und  des  Friedens  der  Welt.

Ich  betrachte  es  als  einen  entschiedenen  Gewinn,  daß  man  sich  im
Laufe  der  Konferenz  gründlich  klar  geworden  ist  über  die  Grenzen  des
Möglichen,  des  Erreichbaren  und  über  die  Verhältnisse  der  verschiedenen
Länder.  So  haben  wir  z.  B.  volles  Verständnis  dafür  gewonnen,  daß
die  englischen  Delegierten  vom  Standpunkte  der  Verhöältnisse  und  der
Interessen  ihres  Landes  unseren  Standpunkt  in  der  Frage  des  Schutzes
des  Handels  zur  Sec,  der  Rechte  und  Pflichten  der  Neutralen  im  Seekriege
  nicht  zu  teilen  vermochten.  Andererseits  bin  ich  wieder  in  der  englischen
  Presse  dem  Niederschlag  verständiger  Betrachtungen  begegnet,
z.  B.  über  unsere  Haltung  in  der  Minenfrage.  Es  wurde  da  ganz  zutroffend
ausgeführt,  daß  diese  unsere  Haltung  in  keiner  Weise  auf  irgendwelche
aggressipen  Absichten  zurückzuführen,  sondern  lediglich  bestimmt  wäre
durch  Rücksichten  der  Verteidigung.

Auch  das,  meine  Herren,  ist  ein  Gewinn,  und  es  ist  ein  Gewinn  erzielt
auf  dem  Wege  einer  offenen,  freimütigen  und  internationalen  Aussvrache.
Es  gereicht  mir  das  zu  um  so  größerer  Gemigtuung,  als  ich  gern  anerkenne,
  daß  die  Haltung  unserer  Vertreter  auf  der  Haager  Konferenz  gestärkt
und  erleichtert  worden  ist  durch  die  einmütige  Zustimmung,  die  ich  im
Frühjahr  bei  allen  bürgerlichen  Parteien  gefunden  hatte,  als  ich  hier  die
Richtschnur  für  die  Tätigkeit  unserer  ausgezeichneten  Vertreter  im  Haag
darlegte.

Nun,  meine  Herren,  möchte  ich  mich  noch  mit  wenigen  Worten  zu
dem  wenden,  was  der  Herr  Abgcordnete  Bebel  heute  über  Kamarilla
ausgeführt  hat.  Zu  einer  eingehenden  Behandlung  dieses  Themas  sehe
ich  mich  nicht  veranlaßt,  nachdem  ich  gestern  hierüber  gesagt  habe,  was
notwendig  war.  Ebensowenig  werde  ich  auf  das  eingehen,  was  der  Herr
Abgeordnete  Bebel  über  die  Motive  der  Reichstagsauflösung  geäußert
hat.  Ich  werde  das  nicht  zurückweisen,  weil  ich  alles,  was  er  heute  hierüber
ausgeführt  hat,  gestern  im  voraus  schon  widerlegt  habe.

(Sehr  gut!  und  große  Heiterkeit.)

Ich  werde  es  auch  deshalb  nicht  zu  widerlegen  brauchen,  weil  ich  verstehe,
daß  die  Reichstagsauflösung,  die  zu  einer  schweren  Wahlniederlage  der
sozialdemokratischen  Partei  geführt  hat,  dem  Herrn  Abgeordneten  Bebel
noch  im  Magen  liegt.

(Sehr  richtig!  und  Heiterkeit.)