82  7.  Stellung  des  Reichskanzlers.

blättern,  die  ja  mit  großer  Schärfe  gegen  mich  vorgehen,  habe  ich  in  der
letzten  Zeit  gelesen,  ich  hätte  die  Stellung  des  Reichskanzlers  zu  einflußreich,
  zu  selbständig,  zu  mächtig  gemacht,  namentlich  dadurch,  daß  ich  zu
enge  Fühlung  mit  den  Parteien  hielte.  Ich  wäre  zu  parlamentarisch.
(Große  Heiterkeit  und  Rufe  in  der  Mitte:  Wo?)
—  In  der  „Germania“  oder  in  der  „Volkszeitung“,  in  einem  dieser  Blätter
habe  ich  sogar  die  hübsche  Erzählung  gelesen,  ein  preußischer  Prinz,  der
hätte  neulich  geäußert:  was  soll  aus  den  Hohenzollern  noch  werden,  wenn
es  der  Bülow  so  weiter  treibt!
(Stürmische  Heiterkeit.)
Den  preußischen  Prinzen,  meine  Herren,  der  das  gesagt  hat,  den  möchte
ich  sehen!
(Wiederholte  stürmische  Heiterkeit.)
Meine  Herren,  wir  leben  in  einer  Zeit,  wo  ein  Minister  sich  gar  nicht  so
zu  fürchten  braucht  vor  der  Tyrannei  von  oben.  Was  hat  denn  heute  ein
Minister  von  oben  zu  riskieren?  Höchstens  seine  Entlassung!  Glauben
Sie  demt,  daß  es  ein  solches  Vergnügen  ist,  Minister  zu  sein?
(Sehr  richtig!)
Wohl  aber  soll  in  unseren  Tagen  ein  Minister  sich  nicht  fürchten  vor  der
Demagogie  von  unten,  vor  der  Tyrannei  von  unten,  die  die  drückendste
und  schlimmste  aller  Tyranneien  itt.

(Lebbafter  Beifall  rechts  und  links.)

8.  Der  Block.  —  Absichten  der  inneren  Politik.
Sitzung  des  Reichstages  vom  30.  November  1907.
Am  30.  November  1907  ergriff  der  Reichskanzler  nach  einer  Rede  des  Abgeordneten
Ur  Wiemer  zur  inneren  Lage  das  Wort.
Reichskanzler  Fürst  von  Bülow:
Meine  Herren,  von  den  Herren  Vorrednern  aus  dem  Hause  sind  eine

Reihe  von  Fragen  der  inneren  Politik  angeregt  worden.  Es  waren  zum  Teil
sehr  dankenswerte  Ausführungen,  die  volle  Beachtung  verdienen.  Sie