November  1907.  91

Gewiß  macht  sich  gegen  solche  Auswüchse  in  der  übrigen  Presse,  die  sozialdemofkratische
  nicht  ausgeschlossen  —  ich  finde  die  sozialdemokratische  Presse
darin  gerade  so  anständig  wie  die  bürgerliche

(sehr  richtig!  linfs)  —
einc  ehrenwerte  Reaktion  geltend.  Es  fragt  sich  aber,  ob  nicht  auch  ein  besserer
gesetzlicher  Schutz  des  Privatlebens  und  der  persönlichen  Ehre  notwendig  ist

(sehr  richtig!),

ein  Schutz,  dem  sich  gerade  diejenigen  nicht  versagen  sollten,  die,  wie  der
Herr  Vorredner,  das  Duell  verwerfen.

(Sehr  richtig!  rechts.)
Und  wenn  oft  rühmend  hervorgehoben  wird,  daß  es  dem  englischen  Volke
gelungen  sei,  das  Duell  aus  seinen  Sitten  auszuscheiden,  so  möge  dabei
nicht  übersehen  werden,  daß  Verleumdungen  und  Ehrabschneidereien  nirgends
prompter  und  strenger  bestraft  werden  als  gerade  in  Englaud.

(Sehr  richtig!  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

Meine  Herren,  das  sind  Betrachtungen  eines  einfachen  Laien,  Beobachtungen,
  von  denen  ich  aber  glaube,  daß  jeder  billig  und  natürlich  empfindende
  Mensch  sic  mit  mir  teilen  wird.

(Sehr  richtig!)

Als  Reichskanzler  habe  ich  dafür  Sorge  getragen,  daß  diese  Gedanken  von
der  Justizverwaltung  gründlich  geprüft  werden,  und  daß  namentlich  festgestellt
  wird,  ob  der  Fehler  nur  an  der  Anwendung  des  Gesetzes  liegt  oder
im  Gesetze  selbst.  Ich  habe  auch  dafür  Sorge  getragen,  daß  die  von  verschiedenen
  der  Herren  Vorredner  gewünschte  Beschleunigung  der  Vorarbeiten
  für  die  Reform  des  Strafrechts  und  des  Strafprozesses  eintritt.  Es
wird  sich  hieran  schließen  müssen  eine  grundlegende  Reform  des  Strafvollzuges,
  in  erster  Linie  eine  anderweitige  Festsetzung  für  die  Vollziehung  der
Strafe  an  jugendlichen  Personen.

(Sehr  gut!  links.)
Gerade  hier  wird,  vielleicht  nach  amerikanischem  Vorbild,  das  Besserungssystem
  mehr  ausgebildet  werden  müssen.  Es  erscheint  mir  dringend  nötig,
einen  jugendlichen  Verbrecher  nicht  durch  unangemessene  Strafen  zum  gewohnheitsmäßigen
  Verbrecher  auszubilden
(sehr  richtig!),

sondern  zu  versuchen,  ihn  auf  einen  besseren  Weg  zu  führen.