Januar  1908.  99

Meine  Herren,  unter  diesen  Umständen  empfehle  ich  diesem  Hohen
Hause  die  Annahme  der  Kommissionsbeschlüsse  und  des  Antrags  der  konservativen,
  nationalliberalen  und  freikonservativen  Fraktion.

Ich  halte  mich  aber  für  verpflichtet,  bei  diesem  Anlaß  denjenigen
Partceien,  die  diesen  Antrag  unterstützt  haben,  den  Dank  der  Königlichen
Staatsregierung  auszusprechen

(Lärm  und  Zurufe  im  Zentrum  und  bei  den  Polen)

für  die  Einmütigkeit,  mit  der  Sie  unter  Zurückstellung  gewichtiger  Bedenken
  sich  bereit  erklärt  haben,  freie  Bahn  zu  schaffen  für  die  Fortsctzung
unserer  Ansiedlungspolitik,  einer  Politik,  durch  die  allein  unser  Staatswesen
  bleiben  kann,  was  es  ist  und  immer  bleiben  muß,  nämlich  ein  nationaler
  Staat.

(Bravol)

Das  bisherige  Ergebnis  unserer  Verhandlungen  läßt  mich  hoffen,
daß  die  Mehrheit  dieses  Hohen  Hauses  die  Königliche  Staatsregierung
niemals  im  Stiche  lassen  wird,  wenn  es  gilt,  das  Deutschtum  zu  verteidigen
und  den  Widerstand  zu  überwinden,  der  der  unlöslichen  Verbindung  unserer
Ostmark  mit  unserm  Reich  noch  immer  entgegengesetzt  wird.

(Lebhaftes  Bravo  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.  Zischen  bei  den
Polen  und  im  Zentrum.  —  Wiederholtes  Bravo  rechts  und  bei  den
Nationalliberalen.  Erneutes  starkes  Zischen  im  Zentrum  und  bei  den
Polen.  —  Stürmisches  Bravo  rechts  und  bei  den  Nationalliberalen.)

II.  Allgemeines  Wahlrecht  in  den  Gundesstaaten.
Sitzung  des  Reichstags  vom  22.  Januar  1908.

Am  22.  Januar  1908  stand  im  Reichstag  eine  sozialdemokratische  Interpellation
zur  Debatte,  weshalb  die  Einführung  des  Reichstagswahlrechts  in  den  Bundesstaaten
vom  Reichskanzler  in  der  Sitzung  des  Abgeordnetenhauses  als  dem  Staatswohl  nicht
entsprechend  bezeichnet  worden  sei  und  ob  der  Kanzler  die  Konsignierung  von  Militär
in  den  Kasernen  aus  Anlaß  der  am  12.  Januar  einberufenen  sozialdemokratischen  Volksversammlungen
  billige.  Darauf  antwortete  der  Reichskanzler.

Reichskanzler  Fürst  von  Bülow:
Ich  habe  folgendes  zu  erklären:
Zu  1  der  Interpellation: