104  12.  Die  Enteignung  im  Herrenhause.
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Aber  ich  habe  auch  im  andern  Hause  des  Landtags  nicht  verhehlt,  daß
wir  auf  unserm  Wege  jetzt  vor  Hindernissen  stehen,  die  mit  den  gegenwärtigen
Mitteln  zu  überwinden  nicht  möglich  ist.  Siekennen  aus  den  Erörterungen  des
letzten  Jahres  die  ungesunden  Erscheinungen  auf  dem  Gütermarkte  der  Ausiedlungsprovinzen,
  Sie  wissen,  daß  der  Kampf  der  beiden  Nationalitäten
um  den  Boden  der  Ostmark  und  eine  dadurch  begünstigte  gewissenlose
Spekulation  eine  sprunghafte  Steigerung  der  Preise  herbeigeführt  hat,
die  mehr  und  mehr  zur  Lockcerung  des  deutschen  Grundbesitzes  führt  und
Grund  und  Boden  in  den  gemischtsprachigen  Provinzen  zur  Handelsware
degradiert.  Die  betrübenden  Wirkungen  zeigen  sich  in  dem  enormen  Verlust
an  deutschem  Grundbesitz,  den  uns  trotz  der  Ankäufe  der  Ansiedlungskommission
  die  Besitzwechselstatistik  der  letzten  Jahre  nachweist.  Diese  Verluste
auszugleichen  ist  auch  die  Ansiedlungskommission  nicht  mehr  im  Stande  gewesen,
  da  ihr  der  Landerwerb  aus  polnischer  Hand  durch  den  Druck  der  großvolnischen
  Agitation  auf  die  poluischen  Großgrundbesitzer  so  gut  wie  unmöglich
  geworden  ist.  Die  Ansiedlungskommission  ist  darauf  angewiesen,
den  dentschen  Großgrundbesitz  anzukaufen.  Die  Ansiedlungskommission  ist  zu
einer  planmäßigen  Durchführung  des  Ansiedlungswerkes,  zu  einer  Arrondierung
  und  Massierung  ihrer  Kolonien  nicht  mehr  imstande,  da  sic  in  ihrem
Landerwerbe  völlig  von  dem  Angebot  abhängig  und  an  vielen  wichtigen
Punkten  durch  polnische  Gegenmaßregeln  behindert  ist.

Geht  das  Landangebot  weiter  wie  bisher  zurück,  so  ist  die  Deckung  des
Landbedarfs  der  Kommission  überhaupt  in  Frage  gestellt.  Setzen  wir  die
Ansiedlungspolitik  in  der  bisherigen  Weise  fort,  so  bedeutet  das,  daß  der  deutsche
  große  und  mittlere  Privatbesitz  durch  die  deutsche  und  polnische  Kolonisation
  zerschlagen  und  aufgerieben  wird.

Meine  Herren,  ich  brauche  meine  Ausführungen  über  die  Bedeutung
des  mittleren  und  großen  deutschen  Grundbesitzes  hier  nicht  zu  wiederholen.
Ich  halte  ihn  in  unseren  östlichen  Provinzen  für  ganz  unentbehrlich  und  jede
Kolonisation,  die  nicht  für  eine  richtige  Mischung  von  großem  und  kleinem
Besitz  sorgt,  für  ganz  verfehlt.  Daraus  folgt  aber,  daß  es  in  der  bisherigen
Weise  nicht  weiter  geht  und  daß  wir  uns  —  und  zwar  schleunigst,  denn  das
Reservoir  des  deutschen  Grundbesitzes  ist  nicht  unerschöpflich  —  entschließen
müssen,  uns  neue  Mittel  zu  schaffen  oder  unsere  Ansiedlungspolitik  aufzugeben.


Diese  letztere  Alternative  vor  diesem  Hause  zu  empfehlen,  möchte  ich
keinem  preußischen  Minister  raten.  Ich  glaube,  ich  hoffe,  daß  er  für  seine
Ausführungen  kein  freundliches  Echo  finden  würde.  Denn  das  würde  nichts
anderes  bedeuten  als  unsere  östlichen  Provinzen  der  Polonisierung  und