Februar  1908.  109

Es  ist  unsere  Pflicht,  durch  eine  gerechte  und  ruhige  auswärtige  Politik
Vertrauen  und  Achtung  zu  erwerben  und  mitzuarbeiten  an  der  großen  gemeinsamen
  Aufgabe  der  Zivilisation.  Aber  allen  Haß  und  jeden  Neid  zu  entwaffnen,
  alle  üble  Nachrede  abzuschneiden,  das  ist  weder  dem  einzelnen
möglich,  noch  einem  ganzen  Volk.  Wir  sollten  uns  gegenüber  dem,  was  das
Ausland  sagt,  sei  es  Lob,  sei  es  Tadel,  eine  größere  Gleichgültigkeit  angewöhnen.
  Wir  sollten  uns  weder  von  fremder  Kritik  aus  dem  Häuschen
bringen,  noch  durch  fremdes  Lob  benebeln  lassen.  Bei  uns  pflegen  die  einen
bei  fremdem  Tadel  in  Erregung  zu  geraten,  die  nicht  ein  Zeichen  solbstbewußter
  Kraft,  sondern  mehr  von  übertriebener  Empfindlichkeit  ist.  Noch
schlimmer  ist  es,  wenn  anderc  solche  abfälligen  Urteile  des  Auslandes  mit
Behagen  breit  treten  und  weiter  verbreiten.  Wir  müssen  uns  mehr  ruhiges
Nationalgefühl  in  dieser  Beziehung  angewöhnen,  mehr  trotzigen  Selbsterhaltungstrieb!

(Bravol)

Meinc  Herren,  der  Herr  Landwirtschaftsminister  hat  Ihnen  in  eingehender
  und,  wie  ich  glaube,  in  überzeugender  Weise  dargelegt,  daß  die
Königliche  Staatsregierung  in  den  Beschlüssen
Ihrer  Kommission  eine  Verbesserung  dieser
Vorlage  nicht  zu  erkennen  vermag.  Mit  der  Wafse,  die
Sic  uns  geben  wollen,  kann  eine  Niederlage  des  Deutschtums  in  dem  Kampf
um  den  Boden  der  Ostmark  auf  die  Dauer  nicht  abgewehrt  werden.  Die
Mängel  in  den  Beschlüssen  Ihrer  Kommission  liegen  darin,  daß  sie  uns  zu
wenig  Land  geben,1)  daß  sie  uns  damit  wieder  zu  unplanmäßigen  Ankäufen
zwingen,  daß  sic  uns  so  die  Verstärkung  deutscher  Ansiedlungen  erschweren,
daß  sie  endlich  nicht  imstande  sind,  eine  wirkliche  Beruhigung  der  unhaltbar
gewordenen  Verhältnisse  auf  dem  Gütermarkte  der  Ansiedlungsprovinzen
herbeizuführen.

Meine  Herren,  aus  den  Reden  des  Herrn  Grafen  Mirbach  und  des
Herrn  Frciherrn  von  Lucius  habe  ich  manche  Kritik  über  diese  Vorlage  herausgehört.
  An  Kritik  fehlt  es  nicht  in  unserer  Zeit,  Kritik  wird  gern  geleistet,
man  hört  sic  auch  nicht  ungern.  Ich  bin  aber  bisher  keinem  konkreten  und
positiven  Vorschlage  begegnet,  der  uns  die  Sicherheit  böte,  Wandel  zu  schaffen.

(Sehr  richtig!)

1)  Die  Kommission  wollte  das  Recht  der  Enteignung  grundsätzlich  gewähren,  sie
aber  bei  einer  Reihe  von  Grundstückskategorien,  so  besonders  für  solche  Grundstücke,
deren  Eigentumsrecht  seit  mehr  als  zehn  Jahren  dem  Eigentümer  zustand  oder  von  ihm
ererbt  war,  ausschließen.