Februar  1908.  113

Also,  meine  Herren,  auf  die  Autorität  des  Fürsten  Bismarck  kann  man  sich
gegenüber  dieser  Vorlage  nicht  berufen.

(Sehr  richtig!)

Man  hat  weiter  gesagt,  die  Politik,  die  zu  dieser  Vorlage  geführt  habe,
sei  eine  harte,  eine  allzu  harte.  Ich  kann  nur  wiederholen,  daß  wir  die  Wahl
zwischen  zwei  Eventualitäten  haben:  entweder  Sie  gewähren  uns  die  Mög—
lichkeit  der  Anwendung  der  Enteignung  —  ich  sage  ausdrücklich:  die  Möglich—
keit  der  Anwendung  der  Enteignung;  ich  teile  die  soeben  ausgesprochene
Hoffnnng,  daß  im  Falle  der  Annahme  des  Antrags  Adickes  die  Enteignung
so  selten  wie  möglich  zur  Anwendung  gelangen  wird.  Aber,  meine  Oerren,
wenn  uns  diese  Möglichkeit  der  Anwendung  der  Enteignung  versagt  wird,
so  gelangt  unsere  Ostmarkenpolitik,  die  Ansiedlungspolitik,  dic  wir  seit
zwanzig  Jahren  führen,  die  wir  führen  als  eine  große  staatliche  Notwendigkeit,
  die  wir  treiben  mit  einem  Erfolge,  den  zu  meiner  großen  Befriedigung
soeben  der  hochverehrte  Graf  Botho  Eulenburg  ausdrücklich  anerkannt  hat,
—  so  gelangt  diese  unsere  Ansiedlungspolitik  auf  den  toten  Strang.  Ein
Mittel,  uns  aus  diesem  Dilemma  herauszuhelfen  ohne  die  Möglichkeit  der
Enteignung,  ist  mir  in  allen  Reden  gegen  diese  Vorlage  nicht  angegeben
worden.

(Sehr  richtig!)

Jedesmal,  wenn  ein  Redner  sich  erhob,  um  gegen  die  Vorlage  zu  sprechen,
sagte  ich  mir:  nun  kommt's!
(Heiterkeit.)

Nun  werde  ich  hören,  wie  ich  durch  ein  konkretes,  praktisches  Mittel  um  die
Enteignung  herumkomme.  Es  kam  aber  nie.

(Ernente  Heiterkeit.)

Meine  Herren,  ein  wichtiger  Zweck  dieser  Vorlage  ist,  jeden  Zweifel
an  der  Stetigkeit  unserer  Ostmarkenpolitik  zu  zerstreuen.  Als  ich  vor  einigen
Jahren  in  Posen  war,  sagten  mir  alle  Deutschen,  mit  denen  ich  mich  über
die  Lage  unterhielt:  über  fast  alle  Maßnahmen,  die  im  Osten  getroffen
sind,  kann  man  verschiedener  Meinung  sein,  über  die  Ansiedlungspolitik,
über  die  Schulpolitik.  Man  kann  finden,  daß  dieses  oder  jenes  Mittel  mehr
oder  weniger  glücklich  ist,  man  kann  finden,  daß  dieser  oder  jener  Weg
richtiger  ist  oder  nicht,  besser  zum  Ziele  führt  oder  nicht.  Aber  eins
ist  —  sagten  mir  alle  Deutschen  —,  was  uns  vor

Hötzsch,  Fürst  Bülows  Reden  2c.  III.  8