114  12.  Die  Enteignung  im  Herrenhause.

allem  not  tut:  das  ist  Stetigkeit,  um  Gottes  Willen
Stetigkeit,  .
(sehr  richtig!)

nur  nicht  wiedereinHin-und  Herschwanken,  keinen
Zickzackkurs!  Ein  Hauptzweck  dieser  Vorlage  ist  —  auch  darin  stimme
ich  ganz  mit  dem  Herrn  Grafen  Eulenburg  überein  —,  jeden  Zweifel  zu
zerstreuen  an  der  Sicherheit,  an  der  Stetigkeit,  an  dem  vollen  Ernste  unserer
Ostmarkenpolitik.

Ubrigens,  meine  Herren,  glaube  ich,  daß  im  letzten  Ende  eine  sichere,
stetige  und  feste  Ostmarkenpolitik  auch  weniger  grausam  ist  —  und  damit
komme  ich  zu  einem  weiteren  Vorwurf,  der  auch  gegen  unsere  Ostmarkenpolitik
  und  speziell  gegen  diese  Vorlage  erhoben  worden  ist  —  als  halbe
und  schwächliche  Maßnahmen.  Solche  halbe  und  schwächliche  Maßnahmen
sind  noch  immer  mißglückt,  und  sie  mußten  mißglücken.  Durch  halbe  Maß—
regeln,  schwächliche  Versöhnungsversuche,  Illusioren  und  Phantasiegebilde
  wird  der  Kampf  nur  in  die  Länge  gezogen.  Wir  wollen  diesem
Kampfe,  der  sich  in  unserer  Ostmark  abspielt,  durch  wirksame  Maßregeln
möglichst  bald  ein  Ende  bereiten.  Wir  denken  nicht  daran,  die  Polen  ausrotten
  zu  wollen.  Mit  großem  Rechte  hat  auch  in  dieser  Beziehung  Herr
Graf  Botho  Eulenburg  gesagt,  das  wäre  eine  —  wie  er  sich,  glaube  ich,
ausdrückte  —  tolle  Idee.  Ja,  das  wäre  eine  hirnverbrannte  Idce,  und
das  wäre  eine  Barbarei.  Ich  habe  wiederholt,  namentlich  in  dem  anderen
Hause  des  Landtags,  an  der  Hand  eines  reichhaltigen  Materials  nachgewiesen,
  daß  der  Deutsche  im  Osten  mehr  und  mehr  in  die  Defensive  gedrängt
  worden  ist,  daß  der  Kampf,  den  wir  im  Osten  führen,  lediglich
ein  Verteidigungskampf  ist.  Wir  wollen,  ich  wiederhole  es,  die  Polen
weder  vertreiben  noch  verdrängen;  wir  wollen  nur  verhindern,  daß  die
Deutschen  von  den  Polen  aufgesogen  und  verdrängt  werden.  Diese  Maßnahme,
  die  wir  fordern,  —  ich  habe  das  vom  ersten  Tage  an  betont  —  ist
eine  Ausnahmemaßregel;  ihren  Ausnahmecharakter  habe  ich  von  vornherein
scharf  in  den  Vordergrund  gestellt.  Wir  fordern  diese  Maßnahme  als  eine
erzeptionelle  Maßnahme,  wir  fordern  sie,  damit  das  Deutschtum  auch
in  der  Ostmark  diejenige  gesicherte  Stellung  einnimmt,  die  ihm  in  der
preußischen  Monarchic  und  im  Deutschen  Reiche  überall  zukommt.  Das
ist  das  Ziel,  dem  wir  mit  dieser  Vorlage  zustreben.  Gewiß,  meine  Herren,
das  Ziel  liegt  nicht  vor  unseren  Füßen;  das  ist  uns  wohl  bewußt.  Aber
nach  der  festen  lberzeugung  der  Königlichen  Staatsregierung  ist  dieses
Ziel  wohl  erreichbar,  erreichbar  durch  Zähigkeit,  durch  Energie,  erreichbar